Jan Lukas Kracker (1719-1779): Himmelspforte aus St. Peter und Paul in Nová Říše (1766)

In Mähren, heute ein Teil von Tschechien, befindet sich das Prämonstratenserkloster Nová Říše (Neureisch) mit der römisch-katholischen Abteikirche St. Peter und Paul. Der Bau ist ein hervorragendes Beispiel für die Barockarchitektur in Mähren. Die Innenwände der Kirche sind mit Fresken von Jan Lukas Kracker (1719-1779) aus dem Jahr 1766 verziert. Kracker ist kein Unbekannter, er gilt als einer der bedeutendsten barocken Freskenmaler der Habsburgermonarchie; seine Hauptwerke sind die Ausgestaltung des Klosters Jasov und die Malerei „Das Konzil von Trient“ im Lyzeum von Erlau (Ungarn). Als er mit den Ausmalungen in Nová Říše beauftragt wurde, hatte er gerade sein Werk in Jasov beendet und war kurz davor, sich in Erlau niederzulassen.
Ein Medaillon der Deckenmalerei der Annenkapelle der Kirche St. Peter und Paul zeigt die Himmelspforte samt einiger Stufen, die nach vorne breit auslaufen. In dem barocken Bau mit einem Segmentgiebel befindet sich offensichtlich eine Figur, von welcher das gleißende bläuliche Licht ausgeht und aus der Pforte nach außen strahlt. Es handelt sich möglicherweise um eine Engelsfigur oder um eine Taube. Auch das lateinische Spruchband, welches die Pforte umzieht, gibt dazu keine Auskunft: „Est domvi alma ovies et sine nv/de dies“. Die oval eingefasste Malerei ist von einer expressiven Kartusche umzogen, eine barocke Scheinmalerei. 

Josef Kunka: Nová Říše: klášter premonstrátů: 1211-1936, Nová Říše 1936.
Václav Mílek: Johann Lucas Kracker in Nova Říše, in: Franz Anton Maulbertsch und Mitteleuropa, Langenargen 2007, S. 184-197.

 

Beitragsbild: Wolfgang Sauber, Nová Říše Kloster – Annenkapelle 4 Deckenfresko, CC BY-SA 4.0

tags: Prämonstratenser, Kloster, Mähren, Barock, Deckenmalerei, Kapelle, Himmelspforte
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