Yuliy Andreevich Rybakov (geb. 1946): Neues Jerusalem (1987)

Dieses Acrylgemälde des Malers, Dissidenten und Abgeordneten der russischen Staatsduma (1993-2003), Юлий Андрéевич Рыбакóв (Yuliy Andreevich Rybakov, geb. 1946), mit dem Titel „Nördliches Wunder“ („Auferstehung“) hat das Neue Jerusalem zum Thema. Entstanden ist es 1987, als der Maler sein Jurastudium in Leningrad gerade abgeschlossen und seine politische Karriere noch vor sich hatte.
Ganz unten ist auf dem Bild eine felsige Insel dargestellt, umgeben vom weiten Meer. Betrachtet man das Stück Land genauer, erkennt man eine Ruine: es ist der Rest einer gewaltigen Überschwemmung, die das Leben und die alte Erde ausgelöscht hat. Weit oben darüber, noch über den Wolken, schwebt das Neue Jerusalem. Es ist als russisch-orthodoxe Kirche gestaltet, in Anlehnung an die ehemalige Residenzkirche Bogoljubowo an der Nerl (Russland). Der Bau besteht aus einem blockartigen Sockelgeschoss und einer sich darüber erhebenden Kuppel. An einer Seite zeigen sich üblicherweise drei Bögen, die an die Tore des Neuen Jerusalems erinnern. Der Baukörper scheint Licht auszusenden, welches ihn in konzentrischen Kreisen. Das Licht wird aber durch das Wolkenband abgeblockt und erreicht die Insel unten nicht.
Die moderne Arbeit zum Thema Neues Jerusalem entstand in Russland und ist an die historische Ikonenmalerei angelehnt; von ihr geht eine meditative Ruhe und Harmonie der Proportionen aus. Sie schmückt heute den letzten Raum der neugestalteten Sammlungen des Museums der Religionen in St. Petersburg. Bis 1989 sollte in diesem Museum vor den Religionen gewarnt und der Atheismus verkündet werden; heute besitzt das Museum eine der interessantesten und umfangreichsten Sammlungen russischer Sakaralkunst.

 

tags: Acryl, Russland, St. Petersburg, Museum, Ikone
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