Gerichtsfresko der Marienkirche zu Büdingen (1491)

Die Marienkirche, auch Liebfrauenkirche genannt, ist die Hauptkirche der Stadt Büdingen in Hessen. Höhepunkt der im Jahr 1491 vollendeten spätgotischen Freskomalerei war ein umfangreiches Weltgericht über dem Triumphbogen zwischen Halle und Chor der Kirche. Vermutlich kam Martin Luther 1521 nach dem Wormser Reichstag auf seinem Weg in sein selbstgewähltes Eisenacher Exil in die Residenzstadt Büdingen und fand im Hause Ysenburg Bewirtung. Die Stadt wurde früh evangelisch, und in Folge der Reformation wurden diese wie andere Freskenmalereien der Marienkirche im Jahr 1601 unter Berufung auf das Bilderverbot (Exodus 20, 4) übertüncht.
Während der Restaurierung 1961 wurden Farbreste an den Seitenwänden entdeckt. Weitere Fresken tauchten im Rahmen der Renovierungen auf und wurden teilweise freigelegt, besitzen aber selbstverständlich nicht mehr ihre Farbbrillanz und ihren Detailreichtum, was man auch an dem einfach gehaltenen, blassen Neuen Jerusalem sehen kann. Heute erscheinen Rundbogentür und Mauerwerk als monochrome Fläche; die angrenzende Architektur zwischen der Pforte links und der Marienfigur rechts ist verlustig, man hat hier eine Freifläche, da man nicht sicher ist, was hier ursprünglich eingezeichnet war.

Friedrich Herrmann: Das Fresko vom Jüngsten Gericht, in: 1491-1991–500 Jahre Marienkirche Büdingen, Evangelische Kirchengemeinde Büdingen, Büdingen 1991, S. 118-119.
Walter Nie (Bearb.): Die Marienkirche in Büdingen: gestern und heute, Büdingen 2007. 

 

Beitragsbild: Sven Teschke, Büdingen Marienkirche Jüngstes Gericht 01, CC BY-SA 2.0 DE

tags: Weltgericht, Chor, Fresko, Hessen, Spätgotik, Spätmittelalter, Reformation
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