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Anonyme Illustrationen aus John Bunyan: Pilgrim’s Progress (17. Jh.)

1678 erschien erstmals John Bunyans „The Pilgrim’s Progress, from this world to that which is to come“, gedruckt von Nathaniel Ponder in London. Der Stecher hatte die Initialen „R. W. f.(ecit)“, was auf der Illustration unten rechts neben dem Löwen zu finden ist. Er zeigt den Pilger zweimal, einmal im Vordergrund schlafend (bzw. träumend) in zeitgenössischer Kleidung, und ein weiteres Mal in ein Buch vertieft (die Bibel – oder fromme Literatur wie Pilgrim’s Progress) im Hintergrund. Dort nähert er sich der Himmelspforte oben rechts. Sie ist als einfaches Tor mit zwei Pilastern samt Knäufen und einem dahinter stehenden Engel so dargestellt, wie auf den Folgeauflagen noch häufig. Die doppelte Darstellung der Hauptperson als Träumenden und ein zweites Mal als Pilger vor dem Neuen Jerusalem hat Bunyan von Guillaume de Digulleville und dessen mittelalterlichen Pilgerroman entnommen.

 

Auf der Seite 3 und 33 der Originalausgabe von 1678 tauchen unsignierte Stiche auf, die ebenfalls noch häufig verwendet werden sollten. Der Pilger steht jeweils vor einer Himmelspforte, über der links mehrere Strahlen aus den Wolken kommen. Die Pforten mit Rundbögen sind mit wenigen Linien einfach gezeichnet, beide Male sind sie noch verschlossen. Auf der rechten Illustration hat sich der Pilger der Pforte genähert, nun kann man bereits die Mauerung des Bogenabschlusses gut erkennen.

 

1682 erschien in London bereits die achte Ausgabe für Nathaniel Ponder mit einer neuen Kupferplatte mit einem minimal veränderten Stich. Der Gesamteindruck ist unverändert, doch im Detail ist dieser Stich der achten Ausgabe einfacher, die Positionen sind leicht verändert. So ist der Pilger oben links näher an die Stadt der Zerstörung gerückt (die 1678 mit „Vanity“ beschriftet ist, 1682 aber mit „Destruction“), ihr Kirchturm hat 1678 eine Fahne, 1682 ein Kreuz. Das „R. W. f.“ ist auf dem Stich von 1682 nicht länger zu finden. Was die Himmelspforte angeht, ist sie weiterhin lediglich ein bescheidenes Gatter am rechten oberen Bildrand.

 

Bereits 1684 war eine neue Kupferplatte in Gebrauch, erneut im Auftrag des Verlegers Nathaniel Ponder. Diese 1684er-Ausgabe läuft als „neunte Edition“. Die Unterschiede sind kaum zu erkennen, beispielsweise ist die Sonne über dem Himmelstor bei dieser Neufassung kleiner und etwas beschnitten, die Strahlenanordnung leicht verändert und bei der „City of Destruction“ ist ein Kirchturm mehr gesetzt. Auch nimmt die Zahl der Vögel von Auflage zu Auflage zu.

 

Ein Jahr später, 1685, verwendete man wieder eine neue Platte, die bezüglich der Himmelspforte und der „City of Destruction“ der Erstausgabe nahekommt. Dabei misslang aber im unteren Bereich der Löwe mit den Zügen eines Totenschädels vollständig (hier nicht abgebildet). Auch die Vögel im oberen Bereich wurden neu gesetzt und sind etwas fett geraten. Immerhin führt diese Ausgabe unten links (hier nicht abgebildet) jetzt wieder eine ebenfalls bislang nicht entschlüsselte Signatur, „W. F…sc.(sculpsit)“.

 

Die bislang einfache Bebilderung wurde in der 14. Londoner Auflage von 1695, jetzt im Auftrag eines W. P., um zwei weitere Arbeiten ergänzt, die beide die Gottesstadt zeigen, allerdings in unterschiedlicher Art und Weise. Da ist zum einen das Frontispiz, auf dem in der Mitte links Babel zu sehen ist (hier nicht wiedergegeben), rechts eine Pforte auf dem Weg nach oben, wo sich ganz oben Häuser, aber auch auf der rechten Seite Kirchtürme des Neuen Jerusalem entlangstrecken. Mit dem deutlich markierten Pfad ist erstmals der Pilgerweg ins Bild gesetzt, der den Lesern bereits von den Zweiwegebildern her bekannt war.

 

Seite 23 dieser Ausgabe illustriert eine ganz ähnliche Konzeption: Der Pilger steht vor einer Pforte, auf der steht geschrieben: „Knock and it shall be open“ (Matthäusevangelium Kap. 7, Vers 7). Im Hintergrund sieht man ihn und eine zweite Person voranschreiten, oben befinden sich blockartige Wohnbauten Jerusalems. Beide Bebilderungen sind äußerst einfach gehalten. Dennoch wurden gerade diese beiden Illustrationen des Buches zukünftig lange verwendet, so etwa in der 23. Auflage (London 1731), der 24. Auflage (London 1734), der 25. Auflage (London 1738) und der letzte Stich nochmals in der 29. Auflage (London 1755) sowie der 31. Auflage (London 1764).

Ein (sicher nicht abschließendes) Fazit zu der Bebilderung des Romans im 17. Jahrhundert: Mit Pilgrim’s Progress trat Weltliteratur auf die literarische Bühne, der Roman war der Bestseller des 17. Jahrhunderts. Die beigegebenen Illustrationen erscheinen wie ein Hohn. Es sind einfachste holzschnittartige Zusammenstellungen, lieblos im Detail, schnell angefertigt, mit einem Wort: billig. Es ist erstaunlich: Der Roman spielte Ponder (nicht Bunyan) ein Vermögen ein. Es wäre ein leichtes gewesen, einen der in London präsenten Künstler mit hochwertigen Kupferstichen zu beauftragen. Statt dessen treten Pseudonyme auf den Plan, die die Wissenschaft bis heute nicht entschlüsseln konnte.

 

tags: John Bunyan, Pilgrim's Progress, Kupferstich, England, Himmelspforte, London, Pilger, Boston Public Library
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