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Gaspar Miguel de Berrio (um 1706 – um 1762): Ölgemälde der Maria Immaculata (um 1650) und des Heiligen Nepomuk (1760)

Gaspar Miguel de Berrio (um 1706 – um 1762) war ein Maler aus Bolivien, wo er zu den Hauptvertretern der Potosí-Malerschule zählt. Seine Interpretation der Maria Immaculata verzichtet nicht auf eine Himmelspforte, die er regelmäßig mitten in die Wolken der oberen Bildhälfte setzte. In weißen Linien vor weißem Hintergrund gemalt ist die Pforte nur schwer zu erkennen. Wesentlich mehr ist von der Civitas Dei zu sehen, die sich im unteren, rechten Bildbereich befindet. Dort spannt sich ein Regenbogen über eine Stadt, die wie eine lateinamerikanische Kolonialsiedlung gestaltet ist. Das 42 x 47 Zentimeter kleine Ölgemälde ist in Potosi (Bolivien) angefertigt worden und gelangte dann in das dortige Kunstmuseum Casa de Moneda.

Im Jahr 2015 wurde ein Ölmalerei an einen Privatsammler versteigert, welche seitdem der wissenschaftlichen Bearbeitung entzogen ist. Das Gemälde, soviel wurde bekannt, soll in Peru angefertigt worden sein, welches damals zum spanischen Vizekönigreich Peru gehörte. Es soll aus der Werkstatt oder dem Umkreis von Gaspar Miguel de Berrio stammen, vielleicht von einem Schüler oder Nachfolger. Die nur 42 x 42 Zentimeter kleine Malerei zeigt viele der Symbole Mariens nach der Lauretanischen Litanei. Man findet die Gottesstadt am unteren rechten Ecke des Bildes. Dieses Detail ist lediglich 12 x 12 Zentimeter groß. Ihre verspielten Türme scheinen von asiatischen Pagoden inspiriert. Die Stadtmauer springt wie auf dem Original vor und zurück, ist aber hier mit weiteren Türmen ausgestattet. Aus dem zentralen Haupttor links führt ein Pfad heraus, der dann zu einer Treppe übergeht, die vor dem erhöhten Rundturm endet, der sich dort auch auf der 1650er-Fassung befindet.

Tesoros del Arte Virreinal: Casa de la Moneda de Potosí, Barcelona 1996.
Banco central de Bolivia (Hrsg.): 70 obras coloniales restauradas, La Paz 2001. 

 

Auf einer weiteren Immaculata-Darstellung des Künstlers, entstanden ebenfalls um 1650, repräsentieren rechts mehrere Engel die marianischen Symbole. Darunter ist auf der Höhe der Marienfigur auch eine weiße, offene Himmelspforte, an deren Seite unmittelbar die Himmelstreppe gesetzt wurde. Das Ölgemälde ist Teil der Sammlung des Universitätsmuseums von Sucre (auch Charcas-Museum genannt), der konstitutionellen Hauptstadt von Bolivien.

José de Mesa, Teresa Gibert: Holguín y la pintura virreinal en Bolivia, La Paz 1977. 

 

Dieses Detail gehört zu einem Ölgemälde, welches den Heiligen Nepomuk zeigt. Um seine Figur im Zentrum sind in die vier Ecken jeweils kleinere Gemälde gesetzt, die Szenen aus seinem Heiligenleben zeigen. Dasjenige links unten zeigt den ermordeten Nepomuk, wie er in der Moldau treibt (hier wiedergegeben). Über ihm halten Engel Palmzweige, um auf sein Martyrium zu verweisen. Wiederum darüber erscheint im Strahlenkranz von Wolken umgeben eine goldene, noch geschlossene Himmelspforte mit einem Segmentgiebel. Selten ist eine Pforte so prominent und solitär präsentiert worden. Das Werk der Gesamtgröße von 103 x 82 Zentimeter wurde von de Berrio 1760 ausgeführt und ist heute Teil der Roberta and Richard Huber Collection in New York.

Pedro Querejazu u. a.: Potosi, New York 1997.
Suzanne L. Stratton-Pruitt, Mark A. Castro (Hrsg.): Journeys to new worlds, Philadelphia 2013.

 

tags: Porta Coeli, Civitas Dei, Neuspanien, Maria Immaculata, Heiliger Nepomuk, Potosi, Märtyrer, Bolivien
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