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William Blake (1757‑1827): Der Lebensfluss (um 1805)

Diese zurückhaltend kolorierte Zeichnung des englischen Dichters, Naturmystikers und Malers William Blake (1757‑1827) firmiert unter dem Titel „The River of Life“ („Der Fluss des Lebens“). Gezeigt wird aber nicht allein der apokalyptische Lebensfluss, sondern etwas mehr. Mehrere engelsähnliche, geschlechtslose Wesen lustwandeln, musizieren oder schweben auf dem Wasser des Flusses sowie auch in der Luft. Sie sind unnatürlich langgestreckt und überaus dünn. Harte Arbeit ist hier abgeschafft, auch Krankheit und Tod sind nicht mehr. Der Fluss nimmt über die Hälfte des Bildes ein, doch zu beiden Seiten ist an den Ufern auch etwas von der Architektur des Himmlischen Jerusalem zu sehen. Die hellgrauen Bauten sind überraschend einfach, es sind keinesfalls Paläste, sondern eher einfache Holzhütten, aber mit zurückhaltenden Elementen antiker Schmuckformen. Drei solcher Wohnbauten sind an den Ufern auszumachen. Wie das Bild unten vom Fluss begrenzt ist, so ist es nach oben vom Lebensbaum mit seinen Zweigen und Früchten bekränzt. Genau genommen sind es zwei Bäume links und rechts, vielleicht der Lebensbaum zusammen mit dem Baum der Erkenntnis.
Experten schätzen, dass diese zwar signierte, aber nicht datierte Zeichnung um 1805 entstanden sein müsste. Sie basiert auf Tinte und Wasserfarben, ist 30 x 33 Zentimeter groß und ist seit 1949 im Besitz der Sammlung Tate Britain in London.

Harold Bloom: Blake’s Apocalypse, Garden City 1963. 
Diane Long Hoeveler: Blake’s erotic Apocalypse: The androgynous ideal in ‚Jerusalem‘, in: Essays in Literature, 6, 1, 1979, S. 29-41.
Thomas J. J. Altizer: The new Apocalypse: The radical Christian vision of William Blake, Aurora 2000.

 

tags: William Blake, England, Romantik, Mystik, Lebensfluss
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