Initialen zu einem Kommentar des Rupert von Deutz (1150-1175)

Die Stiftsbibliothek Heiligenkreuz (Niederösterreich) verwahrt den Codex „Rupertus abbas Tuitensis: Expositio in Apocalypsim“ (MS 83). Dahinter verbirgt sich ein Apokalypsekommentar des Abtes Rupert von Deutz.
Rupert von Deutz, auch Rupertus Tuitensis (um 1070 – 1130) war ein Exeget und Liturgiekommentator. 1120 wurde er Abt des Klosters St. Heribert in Deutz bei Köln, wo er später verstarb. Im Laufe seines Lebens verfasste Rupert von Deutz viele Kommentare, von denen diejenigen zum Hohelied und zur Apokalypse besonders der christlichen Mystik nahe standen. Die Ausgabe in Heiligenkreuz entstand zwischen 1150 und 1175, also lang nach seinem Tod.
Zwei der romanischen Initialen zeigen das Himmlische Jerusalem. Links ist auf fol. 38r ein Initial zum Buchstaben Q zu sehen: Christus steht im weit geöffneten Stadttor und ruft Johannes zu „Komm herauf!“ (Spruchband links von der Figur). Die dahinter befindliche Architektur mit einer zentralen Mittelkuppel und zwei Seitentürmen lässt auch an den Tempel Salomon denken, der als das alttestamentarische Vorbild des Himmlischen Jerusalem betrachtet wurde.

Das gilt auch für das Initial zum Buchstaben M auf fol. 172r, welches bereits Gerettete innerhalb der Stadt zeigt (in der Dissertation von Fingernagel fälschlich als fol. 177r bezeichnet). Zwischen den Kuppeln und Türmen findet man die Köpfe von sechs nimbierten Heiligen. Im Vordergrund sind drei beschlagene Türen zu sehen, die geschlossen sind.

Peter K. Klein: Rupert de Deutz et son commentaire illustré de l’Apocalypse à Heiligenkreuz, in: Journal des Savants, 1, 1980, S. 119-140.
Andreas Fingernagel: Die Heiligenkreuzer Buchmalerei von den Anfängen bis in die Zeit ‚um 1200’, 2 Bdd., Wien 1985. 
Hubert Silvestre: Rupert von Deutz, in: Rheinische Lebensbilder, 11, 1988, S. 7-35.
Andreas Fingernagel: Mainz oder Heiligenkreuz? Zur romanischen Buchmalerei im niederösterreichischen Zisterzienserstift Heiligenkreuz, in: Peter Jörg Becker (Hrsg.): Scrinium Berolinense, Wiesbaden 2000, S. 43-56.

 

tags: Tempel Salomon, Romanik, Initiale; Niederösterreich
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