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Thomas Moran (1837-1926): Jerusalems-Grußkarte zu Ostern (um 1870)

Thomas Moran (1837-1926) war der maßgebliche Künstler der „Hudson River School“ in New York, wo er sein Atelier unterhielt. Bekannt wurde er für seine Ölgemälde der Rocky Mountains. Weniger bekannt, dafür aber weit verbreitet, sind seine zahlreichen Grußkarten. Dazu gehört eine Postkarte zum Osterfest, die von der Public Library von New York, wo diese Grußkarte aufbewahrt wird, auf etwa 1870 datiert wird. Ostern, das Fest der Auferstehung, wird traditionell mit Neubeginn, Erlösung und dem Himmlischen Jerusalem in Verbindung gebracht, die Osterkerzen sind das beste Beispiel dafür.
Die 10 x 15 Zentimeter kleine Karte, die sicher auf eine größere Zeichnung zurück geht, zeigt einen Hafen, vor dem sich eine Stadt mit einer hohen, mächtigen Mauer erhebt, auf der, wie links und rechts im Vordergrund, Engel zu erkennen sind. Der große Engel mit den aufrechten Flügeln links hält in der Hand einen Stab: die ist kein Schwert, sondern mit diesem Stab vermisst er die heilige Stadt. Eine gewaltige Gloriole erhebt sich im Hintergrund, von der Strahlen bis an den Bildrand reichen. Sie machen die Sonne und den Mond überflüssig, obwohl beide Gestirne in dem Bild eingezeichnet sind. Vor der Gloriole erheben sich mächtige Fantasiebauten in die Höhe, sie sind ineinander verschränkt, laufen gegeneinander und sind miteinander verkeilt – hier wurden bereits die Straßenschluchten und Hochhäuser New Yorks oder anderer US-amerikanischer Großstädte vorweggenommen.
Wer Zweifel hat, ob hier das Neue Jerusalem dargestellt ist, wird durch das auf die Grußkarte unten aufgedruckte Bibelzitat aufgeklärt: „And beheld the New Jerusalem coming / down from God out of heaven“.

Joni Louise Kinsey: Thomas Moran and the Surveying of the American West, Washington 1992.
Thurman Wilkins, Caroline L. Hinkley, William H. Goetzmann: Thomas Moran. Artist of the mountains, Norman 1998.

 

tags: Ostern, New York Public Library, Jugendstil, USA
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