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Hermann Gottfried (1929-2015): Fenster aus St. Ewaldi in Duisburg-Laar (1962)

Die römisch-katholische Kirche St. Ewaldi in Duisburg-Laar (westliches Ruhrgebiet) stammt aus dem späten 19. Jahrhundert und wurde im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört; einer der Türme wurde nie wieder aufgebaut und auch heute macht die Kirche von außen einen Eindruck, als wäre der Krieg gerade zu Ende gekommen. Die neuen Fenster der Kirche schuf 1962 der Glasmaler Hermann Gottfried (1929-2015). Unter den mannigfaltigen Motiven ist auch eine Darstellung des Himmlischen Jerusalem. Das Fenster besitzt einen klaren Bildaufbau, die einzelnen Bildelemente sind durch weiße Scheiben voneinander getrennt. Das Motiv der Himmelspforte ist im Gesamtwerk des Künstlers eher die Ausnahme, Gottfried hat das Motiv viele Jahre später nur noch ein einziges Mal aufgenommen (bei einem Fenster in St. Marien in Bergisch Gladbach-Gronau).
In St. Ewaldi wird ein Tor zur Stadt gezeigt, gerahmt von zwei trichterförmigen Bäumen, die beide zahlreiche Früchte tragen. Das Tor ist an das Wappen der Stadt Duisburg angelehnt, die ja die Bezeichnung „Burg“ im Namen führt. Es ist eine Doppeltoranlage, durch dessen Eingang zwar schon der rote Hintergrund hindurch scheint, das aber noch durch Gitterstäbe geschlossen ist. Unter der Stadt ist der blau-weiße Lebensfluss angedeutet, der an der Pforte nach vorne ausbuchtet und einen reizvollen Zackenfries entstehen lässt. Oben hat der Künstler das Lamm Gottes eingesetzt. Auch dieses Objekt ist von einem Zackenfries umgeben, der die tiefrote Gloriole darstellt.
Das Fensterdetail im rechtsseitigen Querschiff in der Größe 250 x 100 Zentimeter wurde aus farbintensivem Antikglas, Blei und Schwarzlot gearbeitet. Es besteht aus sechs übereinander gesetzte Einzelbilder, die alle die Größe von 250 x 100 Zentimeter haben.

Der Stadtteil Laar ist heute von großen gesellschaftlichen Problemen geprägt; die wenigen aktiven Katholiken sind längst in der Minderheit. Schon 2005 wurden die Kunstfenster von Jugendlichen absichtlich beschädigt, so dass eine Sicherheits- und Schutzverglasung angebracht werden musste, die kaum zu finanzieren war und die dringende Fassadenerneuerung verzögerte. 2012 wurde auch die Schutzverglasung durch massive Gewalteinwirkung und Vandalismus beschädigt.

Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 3, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 26).

 

tags: Duisburg, Ruhrgebiet, Beschädigung, Himmelspforte
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