Herb Schiffer: Fenster aus St. Matthäus in Kirchtroisdorf (1983)

Die römisch-katholische Kirche St. Matthäus in Kirchtroisdorf, ein Stadtteil von Bedburg im Rhein-Erft-Kreis, wurde 1983 (nicht 1989) mit Rundbogenfenstern versehen. Diese wurden von dem Maler und Glaskünstler Herb Schiffer (geb. 1936) in Antik- und Opalglas, Blei und Schwarzlot gestaltet. Seitdem sind diese Fenster der Höhepunkt der ansonsten kunsthistorisch eher unscheinbaren Kirche, von der nicht einmal ein Kirchenführer existiert, auch kein Wikipedia-Eintrag (Stand Juni 2021) – allein die Fenster würden dies jedoch rechtfertigen, und vielleicht gibt es ja noch andere Kunstgegenstände, die es zu entdecken gilt.
Das eigentliche Jerusalem befindet sich in der Mitte des ersten Fensters vor dem Altar, es hat den Titel „Auferstehung und Anbetung“. Goldene Mauern sind mit zwölf Edelsteinen besetzt, die nach Aussage des Künstlers die Tore symbolisieren. Wie schon seit der Spätantike werden diese Steine im Wechsel in roter und grüner Farbe dargestellt. Nach oben sind auch drei rundbogige, goldene Tore zu erkennen, mit einer Perle ausgestattet. Allerdings sind die Tore der Stadt nur an einer Seite zu finden. In der grünen Mitte der Stadt thront das Lamm auf dem versiegelten Buch des Lebens. Das farbig gestaltete Jerusalem ist der künstlerische Höhepunkt des ansonsten eher weißen und grauen Ornamentfensters, welches an den Rändern einen üppigen floralen Schmuck präsentiert. Die ist eine bewusste Anlehnung an ältere Fenster aus dem späten 19. Jahrhundert.
Es gibt jedoch neben dem Lamm noch weitere belebende Elemente. Unten hat Schiffer zwei Adoranten angebracht, sie sollen an Adam und Eva erinnern, die am Ende der Zeit wieder in das Paradies zurückkehren. Oben gilt es noch geistliche Wesen und Engel zu entdecken, die Schiffer auf seinen Fenstern öfters einbaut (vgl. St. Cäcilia in Düsseldorf-Benrath).

Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Norderstedt 2013 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 6).

tags: Herb Schiffer, Rheinland, NRW, Engel
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