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Hildegard Bienen (1925-1990): Schmuckkreuz aus St. Johannes Evangelist, Gelsenkirchen (1974)

Hildegard Bienen (1925-1990) ist mit Sicherheit eine Künstlerin, die das Himmlische Jerusalem ungewöhnlich oft entworfen hat und über Jahre hinweg dazu eine ganz eigene Formsprache entwickelt hat. Eine eigenständige Werkgruppe sind dabei sogenannte Schmuckkreuze, die über den Altar oder anderswo in der Kirche aufgehängt werden. 1970 fertigte sie ein solches Kreuz für St. Anna in Schalke-Nord/Gelsenkirchen an. Schon bei diesem Werk befindet sich Christus in der Mitte und die Tore sind am Rand. Dazwischen wurde immer wieder Raum gelassen, was einen Durchblick ermöglichte. Diese Konzeption wurde von Bienen für eine weitere Schmuckplastik weiterentwickelt, die sich die Gemeinde St. Johannes Evangelist wünschte. Diese Gemeinde befindet sich ebenfalls in Gelsenkirchen, man darf vermuten, dass Gemeindemitglieder das Kreuz in St. Anna kannten und davon angeregt waren.

1974 stellte die Künstlerin ihr Werk vor. Es hat eine Größe von 145 x 90 Zentimeter. Bei diesem Kreuzgehänge, Trumphkreuz oder Schmuckkreuz ist über dem Gekreuzigten das Gotteslamm in einer Jerusalemsarchitektur gesetzt. Man findet diese direkt über dem Christuskopf. Hier befindet sich im Zentrum also nicht das Lamm, sondern Christus und zwei weitere Figuren, vermutlich Adoranten, vielleicht auch Maria und der Jünger Johannes. Die dahinterliegende Konzeption geht davon aus, dass unten die Kreuzigung im historischen Jerusalem zentral ist, oben aber das himmlische Jerusalem mit dem Lamm, zwei Toren und zwei Häusern vorherrscht. Unter den Toren ist ein Wellenfries in die Bronze eingraviert, es handelt sich um eine symbolische Darstellung des Lebensflusses.

 

An dem Schmuckkreuz für St. Johannes Evangelist hat Bienen intensiv gearbeitet. Es hat sich von den Entwürfen ein Probeguss erhalten, der minimale Abweichungen aufweist. So ist die Oberflächenstruktur etwas gröber als bei der endgültigen, feingeschliffenen Fassung. Wirklich anders ist, dass an drei Seiten, links, rechts und unten, die markanten Ausbuchtungen in Verlängerung der Kreuzesfigur hier noch nicht zu finden ist.

Leonhard Küppers: Hildegard Bienen, Recklinghausen 1977.

 

tags: Schmuckkreuz, Bronze, Hildegard Bienen, Oberhausen, Ruhrgebiet
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