Fresko aus Loxstedt (spätes 15. Jh.) und Rymättylän (1510)

In der Kapelle zu Loxstedt unterhalb von Cuxhaven ist das Himmlische Jerusalem so zu sehen, wie es im 15. Jahrhundert in der Darstellung beliebt und oft zu finden war: als einfaches zeitgenössisches Kirchengebäude, ohne jeden urbanen Anklang. Die übrigen Ausstattungsbestandteile gehören zum üblichen Repertoire: Das östliche Schiffsjoch präsentiert das Weltgericht. Die zentrale Christusgestalt ging verloren, aber das Himmlische Jerusalem ist erhalten. Wir haben rechts nackte Menschen, die gerade auferstanden sind und von großen, weißgekleideten Engeln zum Himmlischen Jerusalem geleitet werden. Empfangen wird das Grüppchen, das aus kirchlichen Würdenträgern – darunter ein nackter Papst und ein nackter Bischof – besteht, von einem männlichen Heiligen. Vermutlich handelt es sich bei dieser Person vor dem offenen Kirchentor um Petrus, der zusammen mit den Ankommenden auf einer grünen Wiese steht.

Die Malereien aus dem 15. Jahrhundert in der 1371 erbauten Marienkapelle entstanden von dänischen Künstlern, als 1451 Loxstedt eine selbständige Kirchengemeinde wurde und man die Kapelle um einen Chorraum sowie einen 3/8 Chorschluss und Profilkreuzrückengewölbe erweiterte. Vermutlich wurden im Zuge dieser umfangreichen Baumaßnahmen auch die Neuausmalung der bestehenden Gebäudeteile vorgenommen. Die Malereien müssen aber bereits im 16. Jahrhundert übertüncht worden sein, nachdem die Gemeinde protestantisch geworden war. 1910 wurden die Malereien, die man inzwischen vergessen hatte, neu entdeckt, freigelegt und mit Ergänzungen versehen, die 1965 wieder rückgängig gemacht wurden. Erwiesenermaßen stammt die schwarz-weiß-rote Zackenmusterung der Gewölberippen nicht aus der gleichen Zeit wie die Deckenmalerei.
Bei dem Kirchengebäude mit den zwei Dachgauben, dem Dreiecksgiebel und der Tür- und Fensterlaibung hat sich der Künstler um perspektivische Tiefe bemüht. Aus den Fenstern blicken fröhliche Bewohner, sowohl Männer als auch Frauen. In dieser Kirche konnten sich die Gläubigen der Gemeinde von Loxstedt wiederfinden, deren Backsteinbau früher in etwa so wie auf der Wandmalerei ausgesehen hatte.

Eberhard Nehring: Zur Gründung der Marienkapelle zu Loxstedt im Jahre 1371, in: Jahrbuch der Männer vom Morgenstern, 70, 1991, S. 205-207.
Dietrich Diederichs-Gottschalk: Der spätmittelalterliche Pestzyklus in der ev.-luth. St.-Marien-Kirche zu Loxstedt, in: Jahrbuch der Männer vom Morgenstern, 71, 1992, S. 29-40.
I. Kovermann: Ortsfest Loxstedt 1999: Loxstedt vor der Jahrtausendwende, Loxstedt 1999.

 

Eine überraschend ähnliche Zeichnungen wie in Loxstedt findet man im finnischen Rymättylän, die um 1510 entstanden sein dürften. Sie gehört zu einem Weltgericht, welches links die Geretteten und rechts gegenüber die Verdammten zeigt. Die Zeichnung ist einfach und weniger malerisch. So fehlen bei dem Bau die Dachgauben, dafür ist es mit einem Fähnchen und einem Schornstein versehen. Auch hier zeigt sich die Schwierigkeit, dem Kirchenbau die passende Perspektive zu geben.

 

tags: Fresko, Niedersachsen, Finnland, Kapelle, Spätmittelalter, Frührenaissance
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