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Mittelalterliches Gedicht „Perle“ (um 1392)

Das Gedicht „Perle“ wurde von einem unbekannten Dichter gegen Ende des 14. Jahrhunderts in Mittelenglisch verfasst. Der oder die Unbekannte bekam den Notnamen „Perlenpoet“. Das Original befindet sich heute in der British Library (unter der Signatur Cotton Nero A.x., Art. 3). Er gibt verschiedene moderne und kommentierte Veröffentlichungen der Jahre 1864, 1953 und 2002.
Der Inhalt des Gedichtes ist nicht ganz klar, da der Verfasser sich einer allegorischen und elegischen Sprache bediente. Traum und Vision spielt darin eine Rolle, vor allem, als es zum Himmlischen Jerusalem kommt, was den gesamten dritten und letzten Teil des Gedichts betrifft. Hier wünscht der Erzähler das Neue Jerusalem zu sehen, und ausnahmsweise wird ihm dieser Wunsch gewährt. Überwältigt von der Schönheit der Stadt tritt er in den Fluss, der ihn noch von der Erscheinung trennt. Daraufhin verschwindet die Stadt und der Erzähler wacht in seinem Bett auf.
Gänzlich unbekannt wie der Verfasser oder die Verfasserin ist auch der Illustrator der Erstveröffentlichung. Insgesamt gibt es vier handkolorierte Illustrationen. Allein die Frage, ob der Illustrator den Text genau kannte bzw. verstand, ist schwer zu beantworten. Bei der Darstellung des Himmlischen Jerusalem auf fol. 38/42v greift er nicht auf die gängigen Stilmittel und Darstellungsweisen des 14. Jahrhunderts zurück, wie wir sie aus Apokalypsehandschriften oder dem Pilgerroman her kennen. Entgegen dem Wortlaut des Gedichts ist die Stadt keine Ansammlung von Palästen, sondern nicht mehr als ein einfacheres Dorf. Auch typische Attribute eines Neuen Jerusalem, wie Engel, das Lamm, Edelsteine etc. fehlen. Bei diesem Gedicht drängt es sich ja geradezu auf, dass das Perlenmotiv bei der Stadt bildlich in Perlentore umgesetzt wird, aber auch das ist nicht der Fall. Man sieht lediglich einen Turm, der so niedrig wie die Person daneben ist, ein Kirchengebäude, welches im unteren Teil aus Fachwerk zu bestehen scheint. Diese „Stadt“ ist von einer Mauer umzogen, vorne kaum sichtbar, hinten lediglich mit wenigen Strichen angedeutet.

Margaret Williams: The Pearl-Poet. His complete works, New York 1967.Patricia Margaret Kean, The Pearl. An interpretation, London 1967.George Doherty: Pearl poem: An introduction and interpretation, Lewiston 1991.

 

tags: Perle, Gedicht, Mittelalter
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