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Moskauer Ikone „Die Gottesgebärerin als Zuflucht der Sünder“ (um 1720)

Beliebt in der Frühen Neuzeit waren Epigramme, die meist christliche Inhalte mit moralischen Implikationen transportierten. Um 1720 ist in Moskau von einem unbekannten Meister eine Tempera-Ikone entstanden, die die frühneuzeitliche Tradition der Epigramme mit den Motiven der Lauretanischen Litanei verband. Es ist nicht auszuschließen, dass das Vorbild zu dieser Malerei sich in einem russischen Emblemataedition des 16. oder 17. Jahrhundert zu finden ist.
Um ein mittiges Tondo mit konzentrischen Kreisen, die einen breiten Rahmen formen, sind zwölf kleinere Tondi gesetzt, die bekannte wie weniger bekannte Mariensymbole zeigen, wie die Himmelsleiter oder die Menora. Das (im Uhrzeigersinn) zweite Symbol der Ikone präsentiert die Stadt Gottes als quadratische Festung mit einem Tor an der vorderen Seite in der Mitte. Sie scheint geschlossen zu sein und lediglich ihr Giebel überragt die Mauern. Diese Stadtmauern sind an den Außen- und Innenseiten mit einem Rautenmuster und Blumenornamenten geschmückt. Durch die erhöhte Sicht vermag der Betrachter in die Stadt zu sehen: Innen befinden sich ausschließlich zwei Bäume, der Lebensbaum und der Baum der Erkenntnis. Der Hintergrund ist vergoldet, wie auch die gesamte Rahmung. Die ungewöhnliche Ikone hat den Titel „Die Gottesgebärerin als Zuflucht der Sünder“, von ihr sind keine weiteren Fassungen bekannt. Der Titel erklärt jedoch die Aufnahme des Himmlischen Jerusalem auf diese Ikone, da die Gottesstadt seit dem Mittelalter als Zufluchtsort Mariens gilt. Die Ikone befindet sich heute als Teil der ständigen Sammlung des Andrej-Rubljow-Museum in Moskau.

I. Ivanova: Muzej drevnerusskogo iskusstva imeni Andreja Rubleva, Moskvau 1968.
Altrussische Malerei des fünfzehnten bis siebzehnten Jahrhunderts: aus der Sammlung des Andrej-Rubljow-Museums Moskau, Berlin 1982.

 

tags: Ikone, Russland, Moskau, Emblem, Festung
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