Rudolf Pfefferer (1910-1986): Grabrelief (1973)

Das Relief „Himmlisches Jerusalem“ war für das Grab einer privaten Familie angefertigt worden. Es stand bis 2014 auf dem Friedhof Weilheim in Oberbayern, nahe am Starnberger See, dort im hinteren Bereich rechts an einer steinernen Wand, die den Friedhof vor der Vergrößerung umzog. In diesem Bereich wurden um 2012 Gräber aufgelassen, auch um Platz für ein jüdisches Mahnmal zu schaffen. Der Originalstandort wurde seitdem nicht wieder mit einem Grab versehen. Ein unmittelbar am Friedhof wohnender Steinmetz, Ph. M., erinnerte sich noch daran, wie das Kunstwerk seines Kollegen von Nachkommen abmontiert wurde. Somit ist es aus seinem Entstehungskontext, der Sepulkralkultur, herausgelöst, und ziert vielleicht jetzt die Bibliothek oder die Privatkapelle eines Kunstliebhabers.

Die in Kupfer geschweißte Darstellung schuf der Künstler Rudolf Pfefferer (1910-1986) im Jahr 1973. Das Kunstwerk ist durch den Schriftzug „urbs caelestis“ eindeutig als Himmlisches Jerusalem bestimmbar. Im unteren Abschluss des ovalen Reliefs sind die Tore der Stadt gesetzt, neun davon offen, drei geschlossen. Darüber befindet sich von links nach rechts ein Kirchengebäude mit Kuppel, drei lateinische Kreuze (als Bezug auf den Friedhof) und das Lamm Gottes, in einer Gloriole umschlossen. Die Skulptur war für die Aufstellung im Freien angefertigt worden und lebt vom Schattenwurf, wofür die kantigen Kupferblöcke hervorragend geeignet sind. Die Skulptur ist ein seltenes Beispiel für hochwertige Grabplastik der 1970er Jahre in Deutschland, die man heute kaum mehr am Originalstandort findet.

Horst Wanetschek, Klaus Halmburger: Der Bildhauer Rudolf Pfefferer, Murnau 1976.

 

Zum Künstler:

Rudolf Pfefferer wurde 1910 in der Nähe von Gmünd am Tegernsee in ärmlichen Verhältnissen geboren, die Mutter war Köchin, der Vater war Kammerdiener. Pfefferer machte nach der Schulausbildung eine Lehre zum Goldschmied in einem Ziselier- und Erzgießerbetrieb in München. Dort begann er 1931 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste. Nach 1945 verließ er München und zog nach Murnau am Staffelsee, wo er viele Jahre sein Atelier führte und seine bildhauerischen Werke in Ton, Holz, Metall (vornehmlich Bronze) und Stein schuf – viele davon wurden in der umliegenden Region aufgestellt, als Brunnen oder Skulpturen. Die letzten Lebensjahre verbrachte der Künstler auf dem Gut Waitzacker bei Weilheim, verstorben ist er 1986 in Schongau.

 

tags: Skulptur, Grabmal, Grabstein, Plastik, Oberbayern, Bildhauerei
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