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Hans Holbein d. Ä. (1465-1524): Fenster aus dem Eichstätter Dom (1502)

Das Mortuarium (mittelalterliche Grablege) des römisch-katholischen Doms zu Eichstätt (Oberbayern) birgt zehn Maßwerkfenster, davon fünf mit Farbglasbildern, vier auf der Ost- und eines davon auf der Südseite. Ein Fenster passt genau zur der heutigen Verwendung der Halle als Grabanlage geistlicher Repräsentanten des Bistums. Es zeigt eine Darstellung des Weltgerichts, an dessen oberem Ende der thronende Christus als Weltenrichter auf einem Regenbogen sitzt. Passend ist es auch insofern, als dass sich unter der Christusfigur zahlreiche geistliche Würdenträger bemühen, in die rettende Pforte zu gelangen – Bescheidenheit und Rücksichtnahme scheinen hier keine Charaktereigenschaften zu sein, hier wird geschoben und gedrängelt, denn schließlich geht es um das Seelenheil.
Der Entwurf zu dem Fenster stammt angeblich von Hans Holbein dem Älteren (1465-1524), und entstanden ist es zu dessen Lebzeiten im Jahr 1502. Erhalten hat sich der Entwurf keinesfalls, wir können das Fenster lediglich mit den Darstellungen des Neuen Jerusalem in den Bibelausgaben seines Sohns Hans Holbeins d. J. vergleichen.
Bis heute haben sich diese Fenster exzellent erhalten. Wie auf zeitgenössischen Weltgerichtsdarstellungen üblich, ist das Himmlische Jerusalem als Himmelspforte auf der linken Seite dargestellt, als goldener, spätgotischer Bau, mit Ansätzen eines Gewölbes und figuralem wie ornamentalem Schmuck. Zu diesem Bau strömt nun eine Schar von Geretteten – ausschließlich Männer in höherem Alter. Im Hintergrund links vermag man den Schlüssel des Petrus zu erkennen; im Hintergrund rechts die Siegesfahne auf einem lateinischen Kreuz. In einer Figur vorne hat sich mit goldenem Gewand vermutlich der Künstler Holbein verewigt.

Josef Fischer: Domkreuzgang und Mortuarium zu Eichstätt. Vortrag, gehalten im Historischen Vereine zu Eichstätt, Eichstätt 1889.
Hans Scholz: Die mittelalterlichen Glasmalereien in Mittelfranken und Nürnberg extra muros, Berlin 2002.
Claus Bernet: Spezialband: Himmelspforten vom Mittelalter bis heute (Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 4), Norderstedt 2018 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 46).

 

tags: Dom, Eichstätt, Mortuarium, Reformation, Himmelspforte
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