Arthur Hermes (1892-1985): Teppich (um 1955)

Glasperlen sind eines der ältesten Kunstmaterialien überhaupt. Eine Darstellung des Himmlischen Jerusalem als Glasperlenteppich hat es bislang wohl nur einmal gegeben. Es ist ein Schaustück, welches das Ehepaar Katharina und Arthur Joachim Hermes um 1955 in der Schweiz angefertigt haben.
Katharina Hermes starb im Jahre 1961, Arthur Joachim Hermes (geb. 1892) 93jährig im Jahre 1985. Er hatte eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und begann, in seiner Freizeit zu zeichnen. Nach dem Ersten Weltkrieg absolvierte er eine Ausbildung auf der Kunstgewerbe- und Handwerksschule in Magdeburg. In Dessau und später in Danzig unterrichtete er junge Menschen in künstlerisch-handwerklichen Kursen. Durch sein menschliches und herzliches Wesen konnte Arthur Hermes Menschen zum eigenständigen Denken und Handeln verhelfen. Er konnte das Wesentliche des Lebens und Wege zeigen, die zur ursprünglichen Realität führen, welche, nach Hermes, im geistigen Wirken besteht. Seinen Charakter hat am besten der deutschamerikanische Kulturanthropologe Wolf-Dieter Storl in Worte gefasst: „Er hat alles noch mit Hand gemacht, mit Ochsen oder Pferden gepflügt. Seine Tiere konnte er praktisch mit seinen Gedanken rufen. Wenn Besucher kamen, meldete sie ihm ein Specht. Ich war sehr stark beeindruckt wie er auf diese Weise lebte. Er kam mir vor wie ein wiedergeborener Druide. Aber dann, als ich ihn besser kennen lernte, kam er mir noch älter vor, so wie ein Priester aus der Megalithzeit. Und für ihn war die Erde heilig und lebendig und er konnte nicht verstehen, dass es Wissenschaftler gibt, die dies leugnen. Ihm war die Sonne heilig – er war archaisch christlich – für ihn war die Sonne Christus“.
Obwohl Hermes’ Bauernhof (nahe Concise im Kanton Waadt) drei Mal brannte, blieben seine Kunstwerke unbeschädigt. Sie wurden dann im Goetheanum in Dornach bei Basel ausgestellt und anschließend verschenkt. So gelangte ein ganzer Apokalypsezyklus in eine Privatsammlung. Das Kunstwerk zeigt mehrere Engel, die auf eine zentrale Person im oberen Bereich hin ausgerichtet sind. Diese – offensichtlich Christus – steht in weißfarbenen Arkadenbögen, welche die Bauten oder Tore der Stadt umreißen. Nur die Linienführung ist zu erkennen, ansonsten sind die Bögen offen und man kann durch sie hindurchsehen und erblickt den blauen Himmelshintergrund. Die gesamte Architektur ist auf eine breite Stufe oder Schwelle gesetzt, die auf einer hellbraunen Wolke ruht. Im unteren Bereich erinnern die rot-violetten Umrisse an die Hölle oder die untergehende, alte Welt.

 

tags: Teppich, Schweiz
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