Das Monumentalfenster „Jérusalem céleste“ („Himmlisches Jerusalem“) erstreckt sich über eine Größe von 35 Quadratmetern und füllt vier Fensterbahnen. Es wurde am 24. Januar 1983 im südlichen Querschiff der römisch-katholischen Kirche St. Peter in Languidic in der Bretagne eingebaut und mit einem Gottesdienst feierlich eingeweiht, zusammen mit einem weiteren Fenster der Nordseite zum Thema Schöpfung. In der ansonsten eher kargen Kirche sind beide Fenster seitdem ein künstlerischer Höhepunkt; sie passen hervorragend zu dem älteren neogotischen Maßwerk und dem Achtpass im Scheitel.

An der Südseite schwebt ein goldenes Jerusalem auf farbigen Wolkenstreifen, die das versöhnende Regenbogenmotiv anklingen lassen. Die eigentliche Stadt besteht aus schmalen, hohen und eng aneinander gesetzten Türmen. Diese ergeben aneinandergereiht einen Block, ähnlich wie auf einem französischen Psalter aus dem 14. Jahrhundert. Der Block franst nach oben aus, wo zahlreiche Spitzen die Türme der Stadt markieren. Dieser Teil des Fensters ist in einem Goldton gehalten. Über den gesamten Block hinweg sind immer wieder Fenster und Türen einer menschlichen Behausung eingearbeitet. Unterteilt ist er von vier vertikalen Bändern, die mit blauen, roten und grünen Glasscheiben gespickt sind: die Edelsteine der Stadt.

Kontrastierend zu diesen eher starren, geometrischen Elementen zieht sich ein schmales Farbband in Wellenlinien um die Stadt: Dieses schmückende Element verstärkt die Schwingungen des erwähnten Regenbogenbandes unten und eines weiteren horizontalen Bandes, das sich in Wellenform durch den Achtpass ganz oben zieht. Die Bänder brechen vor allem die starre vertikale Struktur der Stadt auf. Im unteren Bereich hat der Künstler mit violetten Tönen das Meer angedeutet, die Fenster imitieren dort eine lebendige Wellenstruktur. Dort ist das Fenster auch signiert und auf 1982 datiert, nach Angaben der Kirchengemeinde ist es damals im September entstanden.

Zusätzlich findet man dort den Namen der Stifterin: Brigitte Catrineau Aostain.
Das Fenster ist eine Arbeit des Franzosen Gérard Milon, der in Eus bei Perpignan seine Werkstatt und sein Atelier hat. Milon führt nur wenige Arbeiten in Glas aus; er hat auch für dieses Fenster lange meditiert und nach geeigneten Lösungen gesucht. Diese und weitere Informationen findet man auf zwei großen Tafeln innerhalb von Saint-Pierre. Solche hilfreiche Tafeln habe ich in zahlreichen Kirchen Frankreichs immer wieder gefunden; sie stammen noch aus der Zeit vor Handy und Tablet.

Xavier Dubois: Languidic au fil des siècles, Languidic 2008.
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Norderstedt 2013 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 6).



