Christa Wanke (1937-2017): Parament aus der Friedenskirche von Hemau (1965)

In Hemau (Oberpfalz) wurde, soweit bekannt, die Thematik des Neuen Jerusalem in den 1960er Jahren erstmals präsent und in künstlerischen Arbeiten umgesetzt. Ende der 1960er Jahre hat der einheimische Kunstmaler Leo Katzmeier sowohl für die Außenfassade als auch den Rathaussaal Wandfresken geschaffen, die dann Anfang der 1970er Jahre ausgeführt wurden. Ein Blick zeigt, wie sich die profane Repräsentation an dem sakralen Vorbild anlehnte: in der Mitte statt dem weißen Lamm und der Siegesfahne in der Gloriole ein Reiter mit ganz ähnlichen Merkmalen, seitlich statt Jesus und Maria zwei übergroße Stifterfiguren.

Zusätzlich ist das Ganze von einer annähernd quadratischen Stadtmauer umzogen, vereinzelt von Pforten unterbrochen. Zur gleichen Zeit wünschte sich die evangelische Gemeinde vor Ort einen neuen Satz von zeitgenössischen Paramenten. Unter den Motiven befindet sich auch ein rotes Parament mit einer Darstellung der Himmelsstadt.

Die dem Parament handelt es sich um eine Textilcollage. Auf der Vorderseite wurde dem roten Leinen ein Stoffbalken in ebenfalls rot-oranger Farbe aufgenäht, in dem die gesamten Motive des Kunstwerks vereint sind: Unten zieht sich eine grüne Mauer entlang, in der fünf dunkelrote Torbögen eingearbeitet wurden. Links und rechts rahmen jeweils zwei Türme die Szenerie, ein höherer grüner Turm außen neben einem niedrigeren roten Turm innen. Dieser besitzt bereits die vierte unterschiedliche Rottönung dieses Paraments. In der Mitte fällt der Blick auf einen violette Block, in den weiße Schriftbänder die Buchstaben „JHS“ bilden, also das Monogramm als Abkürzung für den Namen Jesu (oft aufgelöst als „Jesus, Heiland, Seligmacher“ oder lateinisch „Iesus Hominum Salvator“). Alle diese Motive sind aus großflächigen Stoffen gesetzt, die dem Untergrund mit wenigen Stichen, die absichtlich sichtbar sein sollten, aufgenäht wurden.
Es handelt sich um eine Arbeit von Christa Wanke (1937-2017) aus dem Jahr 1965. Die Arbeit gehört zu dem Paramentesatz, den die Künstlerin bis zum Jahr 1966 für die Friedenskirche abgeschlossen hatte. Er gehört zum wichtigsten Auftrag kirchlicher Seite an die Künstlerin, der bis heute in Gebrauch ist. Wanke führte damals im nahegelegenen Laaber ein Geschäft für liturgische Textilien. Sie hat hauptsächlich im Rahmen ihrer Tätigkeit beim Kirchvorstand der evangelischen Kirche Altartücher und ähnliches geschaffen.
Die Friedenskirche ist wochentags nicht öffentlich zugänglich, und auch das rote Parament ist nur zu bestimmten Festtagen in Gebrauch. Ich konnte die Kirche zum Gottesdienst am 21. Juni 2026 besuchen und habe die Gelegenheit genutzt, mit mehreren Gemeindemitgliedern über die Paramente zu sprechen. Zufall oder als eine besondere Form der Begrüßung wurde als Einladung zu diesem Tag im Internet ein Bild mit genau dem Parament gezeigt, zu dem ich mich zuvor beim Pfarrer angemeldet hatte:

Chr. Grünert: Einweihung der evang.-luth. Friedenskirche in Hemau/Opf. 27. November 1966, o.O. 1966.

 

tags: Oberpfalz, Parament, Rot
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