Manfred Espeter (1930-1992): Eingangsfenster von St. Franziskus in Reckenfeld (1970)

Die Bauernschaft Reckenfeld bei Greven im westlichen Niedersachsen besitzt eine für den Ort ungewöhnlich große Kirche mit dem Namen St. Franziskus. Das katholische Bauwerk setzt sich aus zwei Teilen zusammen: aus der 1936 errichteten zweischiffigen Staffelhalle mit einem breiten Fassadenturm zur Hauptstraße am Vorplatz sowie einer 1974 ergänzten Sakristei aus Ziegelmauerwerk im Osten. Mit dem das Pfarrhaus von 1936, dem Altenwohnheim Marienfried von 1954, dem Kindergarten von 1970 sowie dem Pfarrheim von 1976 ist hier ein regionales katholisches Zentrum geschaffen worden.

1970 wurde nicht nur der Kindergarten errichtet, sondern es kam auch in der Kirche zu größeren Umbauarbeiten. Bis auf eines auf der Orgelempore wurden alle Fenster neu verglast, mit Motiven des Künstlers Manfred Espeter (1930-1992). Eine besondere Idee verwirklichte man dabei im Eingangsbereich. Es handelt sich um eine Zweisichtvergasung aus farbigem Antikglas und geschliffenen Glasbrocken. Dazu kann man in der Auftragserteilung vom Oktober 1969 lesen: „Dem Portalbereich soll erhöhte Aufmerksamkeit zukommen. Messbesucher sollen bereits beim Betreten des Gotteshauses auf die Heiligkeit des Ortes eingestimmt werden. Auf dem rechten Fenster hat Herr Espeter dazu das Neue Jerusalem ausgewählt, was allgemeine Zustimmung fand. Vor allem die Idee, die drei Portale unserer Kirche in den drei Toren der Stadt aufzunehmen, fand guten Anklang. Ebenso überzeugt die leuchtende Farbigkeit roter und blauer Steine, die sicher schon beim Betreten ihre Wirkung nicht verfehlen werden“. Leider ist von dieser Konzeption kaum mehr etwas zu sehen, seitdem an Fenster ein engmaschiges Schutzgitter aus Metall angebracht wurde.

Nur noch von Innen entfaltet dieses Fenster seine Schönheit. Runde und geschwungene Formen dominieren den Gesamteindruck – eher ungewöhnlich für den Manfred Espeter, der überwiegend mit rechtwinkligen Formen arbeitet. Im Zentrum befindet sich das Lamm, welches auf dem versiegelten Buch des Lebens steht. Darunter sind drei rote Tore aneinander gereiht. Von den beiden äußeren Toren zieht sich ein gewaltiger Bogen nach oben, der wie ein weiteres Tore das Lamm umschließt. An verschiedenen Stellen sind weiße wie farbige Glasbrocken eingefügt, in Erinnerung an die Perlen und Edelsteine der Stadt.

Aus der Chronik der Gemeinde. Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Weihe der St.-Franziskus-Kirche in Greven-Reckenfeld am 16. Oktober 1936, Greven 1986.
Greven (Reckenfeld) St. Franziskus von Assisi, in: Ulrich Menkhaus (Bearb.): Das Bistum Münster, Bd. 3: Die Pfarrgemeinden, Münster 1993, S. 270-271.
Hans J. Lechtreck: KirchenSchätze Tour: Ein Reiseführer zu ausgewählten Kirchen im Bistum Münster, Münster 2006.
Margarete Luise Goecke-Seischab, Jörg Ohlemacher: Kirchen erkunden, Kirchen erschließen, Köln 2010.

 

tags: Glasbrocken, Niedersachsen, Zweisichtverglasung
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