Diese Temperamalerei auf goldenem Hintergrund hat den Titel „Die Versammlung der Engel“ und wird der russischen Schule der Ikonenmalerei zugerechnet. Sie zeigt eine Art himmlische Liturgie, bei der Engel und Heilige um Christus auf seinem Thron versammelt sind und das ewige Abendmahl einnehmen. Christus erscheint darauf in der Mittelachse drei Mal: auf seinem Thron bei Gericht (oben), als Priester beim Abendmahl (Mitte) und beim Begrüßen der Auferstandenen (unten). Die Architektur Jerusalems lässt im oberen Bereich eine traditionelle orthodoxe Kirche entstehen, mit vier weißen Wänden einer symmetrisch angelegten Fassade, dahinter zahlreiche Zwiebeltürme – im Prinzip ähnlich wie auf dem Ikonentypus „In Dir freut sich die ganze Schöpfung“ oder „Gottesmutter Pokrov“, hier aber mit deutlicheren Bezügen zur himmlischen Stadt: Auf Höhe der Abendmahlsszene buchtet die Architektur mit einem braunen Halbbogen in Anlehnung an die Stadtmauer nach vorne aus, zu dessen Seiten finden sich kleinere Architekturkompartimente in Rosa oder Türkis. Auch vor der Stadt finden sich Engel und Heilige, die gerade aus Gräbern erwachen – sie werden zum Zugangstor geführt, dass sich hier nicht mittig, sondern außen rechts befindet, als Gegenpol zum grünen Baldachin auf der anderen Seite (beschädigt und heute nicht gut zu erkennen). Zwischen Baldachin und Zugangspforte schiebt sich eine Ikonostasis, die nochmal den sakralen Charakter des Baus betont.
Der Maler dieser Ikone ist namentlich nicht bekannt. Das Bild ist in Russland ein vertrautes Motiv in der sakralen Kunst. Einst befand es sich in einer Moskauer Kirche, gelangte aber durch kommunistische Verfolgung in Staatsbesitz und wurde „Volkseigentum“. Zeitweise war es eingelagert, heute ist es ein wichtiges Sammlungsstück der Tretjakow-Galerie in Moskau. Nach Auskunft des Museums geht man davon aus, dass es in einem Kloster des goldenen Rings vor den Toren Moskaus im 16. Jahrhundert angefertigt worden ist.



