Der wichtigste Jerusalems-Radleuchter der Niederlande hängt in der Walburgiskerk von Zutphen (Provinz Gelderland, Niederlande); er inspirierte später Joseph Cuypers zu seinem Leuchter in der Urbanuskerk in Nes aan de Amstel. Weltweit ist der Leuchter aus der Walburgiskerk der Viertälteste, der sich aus dem Mittelalter erhalten hat. Datiert wird er in die Zeit um 1395. Künstler und Auftraggeber sind unbekannt, in Erwägung gezogen wird ein Gerardus van Bronkhorst, damals Kapitelherr und Kanoniker adliger Herkunft.

Die Maße des Leuchters sind beeindruckend: Die Krone ist 2,70 Meter breit, 2,37 Meter hoch und das Schmiedeeisen wiegt 260 Kilogramm. Mit diesem Umfang war er von Beginn an zur Beleuchtung der gotischen Kirche vorgesehen, die heute auch als Museum dient. Aus Brandschutzgründen werden die Kerzen heute nicht mehr entzündet, so dass man eigentlich von dem Kunstobjekt in Funktion nur einen ungefähren Eindruck bekommen kann. Doch selbst bei Tageslicht dominiert der Leuchter nach dem Kreuzungspunkt von Haupt- und Querschiff unmittelbar vor dem Chorbereich und dem Marienaltar, um dort vor allem die Hostie bei der Messe gut sichtbar zu machen.

Der Aufbau des Kronreif ist an allen zwölf Seiten wie folgt: Unten sind in vergoldeten Buchstaben die Namen Jesus, Maria, Sanctus Petrus sowie die Namen weiterer Apostel (Matthäus, Jacobus minor, Thomas usw.) eingesetzt. Darüber ist ein Fries mit figürlichen Szenen gesetzt. Es sind Jagdszenen, die als eine zusammenhängende Geschichte gedeutet werden können. Sie beginnt in einer himmlischen Festung über dem Apostel „Sanctus Matheus“. In Analogie zu Jesus wird ein Einhorn gejagt. Der Legende nach konnte ein Einhorn nur im Schoss einer Jungfrau geboren werden, und da Christus durch die Jungfrau Maria auf die Erde kam, wurde er mit dem Einhorn gleichgesetzt. Das Einhorn, welches auf dem Leuchter zehn Mal gefunden werden kann, wird schließlich getötet, doch die Jagd setzt sich auf dem Weg zum Himmlischen Jerusalem fort, wo böse Mächte (symbolisiert durch Wildschweine, Eichhörnchen, Raubvögel, Wölfe usw.) ihr Ende finden.

Es folgt das letzte Band, eine Reihung eines geometrischen Musters, welches an Tore oder Arkaden erinnert. Auf dem Reif wurden oben schmiedeeiserne Lilien gesetzt. Dort findet sich eine erste Reihe von Kerzen, jeweils zwei an jeder Seite, insgesamt also 24. Weitere zwölf Kerzen finden sich in einem zweiten, kleineren Reif darüber. Hoch oben, nach fast zweieinhalb Metern, endet der Leuchter in einer letzten, dritten Krone. In diese sind 30 kleine Füchse damit beschäftigt, Trauben zu stehlen – ein humoristisches Motiv, welches wegen Kleinheiligkeit und Entfernung allerdings von unten nicht gesehen werden kann.

Die Datierung des Leuchters wurde möglich durch eine genaue Analyse der Bekleidung der auf dem Leuchter dargestellten Personen, etwa auf den Tanzgruppen. Zusätzlich ist verbürgt, dass im Jahr 1396 zahlreicher Kerzen angeschafft wurden, die man für den neuen Leuchter benötigte.
Michel Groothedde (Hrsg.): De Sint-Walburgiskerk in Zutphen. Momenten uit de geschiedenis van een middeleeuwse kerk, Zutphen 1999.
Aartje Bos-Oskam: De kaarsenkroon van de Sint Walburgiskerk. Een Jeruzalemluchter als wegwijzer, Zutphen 2006.
Jos Hartman: De Walburgiskerk in Zutphen, Zutphen 2024.



