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Waldemar Kuhn (1923-2015): Tabernakel für St. Cosmas und Damian in Bienen (1991)

Um 1985, als der Glasmaler Joachim Klos (1931-2007) mit den neuen Fenstern im Chorbereich der römisch-katholischen Kirche St. Cosmas und Damian in Bienen bei Rees (Niederrhein) beschäftigt war, wurde sich für einen „neue“ Tabernakel entschieden. Die Initiative ging damals von Priester Heinrich Horst aus. Wieder gelang es, einen bedeutenden Künstler zu gewinnen: Waldemar Kuhn. Dieser kam vermutlich über Klos zu der Kirche, denn Klos und Kuhn waren eng miteinander befreundet und Klos besuchte Kuhn privat mehrfach. Waldemar Kuhn (1923-2015) war ein gebürtiger Unterfranke, der in Schweinfurt eine Lehre zum Steinmetz begann, bis der Kriegsdienst diese unterbrach. Nach dem Krieg studierte er an damals bedeutenden Kunstzentren Westdeutschlands, an der Akademie der bildenden Künste in München, der Werkkunstschule Köln und der Kunstakademie Düsseldorf. Nach seiner Ausbildung arbeitete Kuhn vor allem am Niederrhein an öffentliche Denkmäler oder an liturgischem Gerät. Für St. Cosmas und Damian hatte Kuhn bereits einen Altar entworfen (nach verbriefter Aussage „sein schönster Altar“), dann den Priestersitz und Ambo, nun folgte der Tabernakel. Ende der 1990er Jahre, als Kuhn wieder in seine fränkische Heimat zurück gekehrt war, gab der Künstler Auskunft über sein damaliges Schaffen: „Für Pfarrer Kuhn entwarf ich einen Jerusalems-Tabernakel. Der Kirche fehlte damals im Chorbereich ein Orientierungspunkt, der Krieg hatte vieles vernichtet. Das neue Werk sollte unübersehbar den Chorraum mit gestalten und sozusagen von der letzten Bank aus sichtbar sein. Schwer und mächtig sollte er stehen. Es gibt keine Schauseite, sondern der Tabernakel ist von allen Seiten plastisch durchgearbeitet. Gewünscht war ein Kubus mit Häuser, Toren, Türmen und Straßen. Das alles ist natürlich nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet, sondern es entsteht nur ein ungefährer Eindruck, etwa so, wie wenn Sie eine Stadt von oben aus dem Flugzeug betrachten. (…). Der Auftrag wurde mir Anfang 1988 erteilt, nachdem ich zwei Mal die Kirche besucht hatte und dort verschiedene Varianten besprochen hatte. Die weitere Entwurfsarbeit zog sich dann über zwei Jahre hin, da ich mit verschiedenen anderen Projekten voll ausgelastet war. Nachdem der Sockel fertiggestellt wurde, habe ich die Bronze am 12. November 1990 gegossen. Nach Polieren und Imprägnieren brachte ein Transportunternehmen die Einzelteile dann nach Bienen, wo das Werk dann im Oktober 1991 eingeweiht wurde“.

Das Kunstwerk ruht auf einen sogenannten Blaustein, der allerdings bei meinem Besuch eine schwarzgraue Färbung aufwies. Er ist grob behauen, mit einem Ornamentband und einem eingemeißeltem Kreuz verziert. Dieser Sockel sollte den Aufsatz wie die Hülse eine Frucht aufnehmen. Der bronzene Aufsatz ist ein Kubus mit ungefähren Proportionen 1 x 1 x 1,40 Meter. Tiefe Einkerbungen lassen an den Seiten blockartige Strukturen entstehen. Zahlreiche kleine Kuben wiederholen hier die Kubusform des gesamten Werkes. Einen besonders herausragenden Kubus betrachtete der Künstler als „Tempelbau“, den es allerdings nach der Johannesoffenbarung aus guten Gründen in der Stadt gar nicht geben soll. Wellenlinien an der Seite markieren den Fluss des Lebens. Vor der Seite, die geöffnet werden kann, hat Kuhn aus dem Stein eine Platte herausgearbeitet, auf die der Priester die Messgeräte stellen kann. 

Stephan Singer: Tabernakel aus Bronzeguß, in: Neue Ruhr Zeitung, 4.2.1991.
Willy Schlaghecken: St. Cosmas und Damian Bienen 900 bis 2000. Biener Geschichte im Wandel der Zeit, Rees 2000.
Katharina Winterhalter: Ein großer Bildhauer. Waldemar Kuhn starb mit 92 Jahren – er schuf wichtige Werke in Franken und am Niederrhein, in: Schweinfurt. Stadt, Kultur, Themen / in Zusammenarb. mit der Stadt Schweinfurt, 142, 12, 2015, S. 20-21.

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