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Joep Nicolas (1897-1972): Pancratiuskirche in Tubbergen (1954)

Tubbergen ist eine Gemeinde in der niederländischen Provinz Overijssel in den Niederlanden. Ortsmittelpunkt ist die das neogotische Bauwerk St. Pancratius. Als künstlerisch herausragend gelten die 35 Buntglasfenster, die von mehreren aufeinander folgenden Generationen der Glaskünstlerfamilie Nicolas entworfen und gefertigt wurden. Sie sind einer der Gründe, weshalb das Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Für die Gemeinde sind sie so wichtig, dass in einem hinteren Nebenraum eigens eine Ausstellung mit beleuchteten Schautafeln eingerichtet wurde, in denen u.a. Folgendes erfahren werden kann: Die ältesten fünf Fenster im Chor stammen noch aus der Bauzeit der Kirche und wurden von Frans Nicolas und seinen Söhnen François und Charles angefertigt. Die drei Fenster hinter dem Altar zeigen verschiedene Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Auf beiden Seiten davon befinden sich zwei Fenster mit Bildern von acht Heiligenfiguren. Die acht Fenster im Kirchenschiff wurden 1954 von Joep Nicolas (1897-1972) (dem Sohn von Charles Nicolas) angefertigt und stellen die Apokalypse dar. Dasjenige Fenster, welches das Himmlische Jerusalem zeigt, befindet sich im Seitenschiff rechts (datiert und signiert unten rechts).

Der untere Bereich ist mit einer Massenszene angefüllt, wie man es auf Glas nur noch vom Bottenbroicher Weltgericht (1533) kennt: Heilige mit Kronen und Palmwedeln drängen nach oben. Der mittlere Teil ist dem Baum des Lebens mit seinen eigentlich zwölf, hier aber siebzehn Früchten und dem Lebensfluss vorbehalten. Ganz rechts hat der Künstler eine Pforte eingefügt, durch die einige der Heiligen die Stadt betreten. Die Stadt ist dann vor allem als Hintergrundmuster im oberen Bereich dargestellt. Dort erscheint Christus Pantokrator auf dem Thron. Zu seinen Seiten findet man in unterschiedlichen Goldtönen unzählige Treppen, Giebel, Mauersegmente mit geometrischer Musterung, Fenster, Türme und so weiter.

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Zum Künstler:

Joep Nicolas war ein 1897 in den Niederlanden geborener Kirchenkünstler, der sich auf Glasmalerei und Skulptur spezialisiert hatte. Die französische Familie von Joep Nicolas hatte ein Glasmalerei-Atelier, welches 1855 von dem Großvater von Joep Nicolas gegründet worden war. In diesem Betrieb ging er zu Lehre und erarbeitete seine ersten Glasmalereien, wobei er auch technische Versuche unternahm. Im Jahr 1935 meldete Nicolas ein Patent für eine Glasurtechnik an, die er als Vermurail bezeichnete. 1939 wanderte er in die Vereinigten Staaten aus, fünf Monate vor der deutschen Invasion. Er war in den USA mit den Rambusch Studios in New York City verbunden und hatte sein eigenes Büro in der 15 West 67th Street (heute Central Park Studios). Mit seiner Familie lebte er in Islip, New York. Neben Glasmalereien in den USA (Fairmount Presbyterian Church in Cleveland, SS. Cyril and Methodius Church in Warren oder St. Francis Xavier Roman Catholic Church in Gettysburg) war er außerdem als Wandmaler, Buchillustrator, Karikaturist, Kostümbildner und Porträtmaler vielseitig aktiv. Nach dem Zweiten Weltkrieg half er in den Niederlanden, Kirchen mit neuen Glasmalereien auszustatten, etwa in St. Oda in Melderslo, in der Kathedrale St. Christoforus in Roermond oder in der Lambertuskirche in Helden. Der französisch-niederländisch-amerikanische Künstler verstarb am 25. Juli 1972.

Joep Nicolas: de glazenier, Centraal Museum Utrecht, 15 december 1967 – 3 maart 1968, Utrecht, um 1967.
Frans Smit, Bertus Smithuis: Kerkelijke geschiedenis van Tubbergen: Sint Pancratius parochie, Tubbergen 1972.
Claire Nicolas White: Joep Nicolas. Leven en werk, Venlo 1979.

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tags: Niederlande, Massenszene, Märtyrer, Nachkriegskunst
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