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Heinz Dohmen: Jerusalemsfenster aus St. Bonifatius in Duisburg-Hochfeld (1991)

Die katholische Kirche schafft sich ab, wofür das folgende Beispiel symptomatisch ist. Dazu muss man kurz in die Geschichte zurückblicken, um sich der Tragweite dieses Prozesses zu vergegenwärtigen: die römisch-katholische Kirche hat in Deutschland Martin Luther überlebt, die Aufklärung, die Säkularisierung und den Nationalsozialismus. Diese Herausforderungen von außen konnte die Kirche stets parieren, doch die augenblickliche Krise kommt von innen und ist größtenteils selbstverschuldet, Stichworte sind Priestermangel, Bevölkerungswandel, Missbrauchsskandal, Kirchenaustritte. Corona hat da der Kirche nur noch den Rest gegeben und man gewinnt den Eindruck, dass man eigentlich froh darüber war, dass reihenweise Gottesdienste ausfielen bzw. die Kirche eilfertig alles absagte, was mit menschlicher Begegnung zu tun hatte. Die Menschen sind nach 2022 nicht wiedergekommen, oder zumindest nur ein kleiner Teil der ohnehin schon dezimierten Zahl an Gläubigen. So wurde 2022 jede Woche eine katholische Kirche profaniert oder gleich ganz abgerissen. Längst trifft es nicht nur Neubauten am Stadtrand, sondern traditionsreiche Altbauten, wofür das folgende Beispiel steht: St. Bonifatius in Duisburg-Hochfeld.

Es handelt sich um einen Prachtbau der Kaiserzeit, 1912 erbaut. Noch im Jahr 1991 sah man sich hier in der Lage, einen der besten und sicher auch teuersten Künstler mit einem neuen Glasfenster zu beauftragen. Man wollte damals mit einem Zweisicht-Fenster ein Signal nach außen senden: Passanten konnten selbst bei fehlender Beleuchtung von außen das Himmlische Jerusalem bewundern, welches auf der Fassade in einen neogotischen Fünfpass eingefügt wurde. Ausgeführt wurde die Arbeit von dem Architekten und Glaskünstler Heinz Dohmen (geb. 1934). Es ist eine Arbeit in rotem und blauem Antik- und Opalglas, Blei und Schwarzlot. Es handelt sich um ein Blindfenster, welches nur von außen gesehen werden kann und von dem man heute keine Innenaufnahme mehr machen kann, da es durch eine Orgel verdeckt ist. Das Thema „Himmlisches Jerusalem“ wurde von der Gemeinde gewählt, da die gesamte Kirche Anklänge an Jerusalem aufweist. Offensichtlich wurde die Stadt in einen Fünfpass gelegt und hat wiederum eine pentagonale Rahmung. Darin hat Dohmen dann ein rotes Quadrat gesetzt, in der sich wiederum ein Dreieck findet. An den Ecken markieren zwölf grüne, rote und gelbe Punkte das Edelsteinfundament der Stadt, die außer dem Lamm in der Mitte ansonsten keine christlichen Attribute zeigt.

In den Bau wurde schon ab der Jahrtausendwende nicht mehr investiert und er verfiel langsam zur Ruine. 2017 wurde zum letzten Mal Messe gefeiert. Danach wurde er zeitweise von der koptischen Gemeinde genutzt. Heute erinnert das Bauwerk an verfallene antike Tempel; es wird der morbiden Atmosphäre wegen gerne von Freunden der lost places aufgesucht.

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tags: NRW, Heinz Dohmen, Ruine, Lamm, Kopten, Zweisichtverglasung
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