Elsa Schultz: „Fenster der Vollendung des himmlischen Jerusalems“ aus dem Kölner Tersteegenhaus (1961)

Das expressionistische Tersteegenhaus ist eine evangelische Kirche in Klettenberg, einem südlichen Stadtteil von Köln. Das Haus war 1928 erbaut worden und nach Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg teilweise umgestaltet worden. Ende der 1950er Jahre ließ der Architekt Graebner erneut Umgestaltungen vornehmen. Bei diesem Anlass wurden 1961 neue Buntglasfenster eingebaut. Das Besondere ist, dass die Künstlerin eine der ganz wenigen Frauen ist, die hier erstmals für eine der beiden großen Konfessionen in einer größeren Stadt den Auftrag erhielt, Fenster zu entwerfen, die dann von der Firma Reuter gegossen wurden. Es handelt sich bei der Künstlerin um Elsa Schultz, von der wir außer dem Namen eigentlich nur wenig wissen. Auch ist keine weitere Glasarbeit der Künstlerin nachgewiesen, jedenfalls nicht in Deutschland. Ihr eigentlicher Schwerpunkt waren Malereien und Grafiken. Schultz, eine gebürtige Bonnerin, scheint lange in Köln gewohnt zu haben, darauf deutet, dass sie 1929 die Kölner Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer mitbegründete. 1932 ist sie in einer Kölner Ausstellung nachgewiesen, zusammen mit Alexandra Ahlers-Hestermann.

Die fünf Motivfenster im Tersteegenhaus symbolisieren das Heilsgeschehen mit leicht abstrahierten, doch gut erkennbaren Darstellungen. So gibt es ein „Schöpfungsfenster“, ein „Gesetzesfenster“, ein „Christusfenster“, ein „Fenster der Kirche“ und ein „Fenster der Vollendung des himmlischen Jerusalems“, um welches es hier geht. Es ist das erste Fenster der Serie, und auf dieses Fenster fällt zunächst der Blick beim Betreten des Raumes.
Das „Fenster der Vollendung des himmlischen Jerusalems“ besteht aus sechs Bildsegmenten, die oben die Märtyrerkrone, im Mittelteil die Stadt Gottes und unten den Lebensfluss zeigen. Bei der Stadtdarstellung bilden zwölf Torbauten ein Quadrat. An jede der vier Seiten sind jeweils drei Torbauten gesetzt: einfache offene Rundbögen, die mit einem Dreiecksgiebel bekrönt sind. Offen sind sie, weil sich durch manche der Tore breite Wege ziehen, die das Wellenmotiv der unteren Doppelfenster aufnehmen und fortführen. Alle Scheiben sind aus unterschiedlichen Gelbtönungen, die gut zu dem Licht und dem Gold des Dargestellten passen.
Im Jahr 2004 wurde der Saal zuletzt innen umgebaut und renoviert, dabei hat man auch die Fenster unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten restauriert und mit einer Schutzverglasung versehen. Auch wenn noch Handgriffe vorhanden ist, lassen sich die Fenster heute nicht mehr öffnen.

 

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tags: Köln, Manufaktur Reuter
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