Georg Hieronymi (1914-1993): Wandteppich in Liebfrauen, Oberursel (1984)

Liebfrauen ist eine katholische Kirche, eine von acht Pfarrkirchen des pastoralen Raumes Oberursel-Steinbach. 1963/1964 wurde der Bau nach den Plänen des Kirchenbaumeisters Rudolf Schwarz errichtet. Es ist eine Marienkirche nach dem Vorbild der Trierer Liebfrauenkirche. Unter Pfarrer Erich Einig (gest. 2007) wurde 1984 von dem Gemeindemitglied Edith Steffen der Teppich geknüpft, nach einem Entwurf des Oberurseler Malers und Bildhauers Georg Hieronymi (1914-1993). Die Gesamtgröße beträgt 4,30 x 1,60 cm. Um die Arbeit umzusetzen, waren 116.500 Doppelknoten und 37 Farben notwendig. Der Teppich wurde in einer Höhe von etwa zehn Metern an einer Klinkerwand angebracht. Zu sehen ist das Tondo im Zentrum des Teppichs, das die zwölf Tore zeigt. Das Lamm steht nicht etwa auf einem 13. Tor, sondern auf einem Thron, aus dem das Lebenswasser nach unten fliest und sinnbildlich die Gemeinde segnet. Nachdem der Kreuzweg des gleichen Künstlers in Liebfrauen etwas düster geraten war, hatte er hier den Auftrag, ein Werk in hellen, harmonischen Farben zu gestalten und wählte daher ein warmes Weiß, ein Honiggelb und ein maritimes Blau.
Im Laufe der Jahre hatten umweltschädliche Öldämpfe der Heizung und Kerzenrauch zu einer deutlich sichtbaren Verschmutzung der Wolle geführt. 2008 wurde dieser Teppich mit weiteren Werken der Kirche von dem Ograbek-Teppich-Atelier Walldorf per Hand gereinigt, wobei 80 Prozent der Kosten durch Spenden aufgebracht wurden.

Pfarrei Liebfrauen (Oberursel) (Hrsg.): Gemeinde Liebfrauen: Volk Gottes auf dem Weg, Liebfrauen 1990.
Jürgen Streicher: Georg Hieronymi und seine Stadt. Der Mensch, der Künstler, der Oberurseler, Oberursel 1994.

 

tags: Wandteppich, Hessen
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