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Kirill Ivanow Ulanov: Kreml-Ikone aus Moskau (1706)

Ein prominentes Beispiel einer Ikonenmalerei mit dem Himmlischen Jerusalem befindet sich in der Rüstkammer des Moskauer Kreml. Es handelt sich um ein zentrales Werk des russischen Ikonenmeisters Kirill Ivanow Ulanov, von dem sich Ikonen in der ehemalige Kathedrale der Geburt der Jungfrau Maria in Ustjuschna (1689), der Peter und Paul Kirche in Ustjuschna (1690) und eine Darstellung des Heiligen Demetrius von Thessalonica in der Himmelfahrtskathedrale des Moskauer Kreml (1700) erhalten haben.
Ulanovs Weltgerichts-Ikone basiert aus hellen Temperafarben und ist auf das Jahr 1706 datiert; es ist also eines der spätesten Werke des Meisters. Das Himmlische Jerusalem befindet sich auf der Ikone links oben, von einem weißen Wolkenband oben und einem grünen Akanthusblatt unten eingegrenzt. Obwohl diese Stadt keine Quadratform hat, sondern sich an ihrer Schmalseite nach hinten zieht, ist sie von zwölf Tortürmen, nämlich drei an jeder Seite, eingefasst. Die Breitseite ist etwa doppelt so lang wie die Längsseite. Die Stadt ist in einem einheitlichen Goldton gehalten und scheint innen durchgängig bebaut zu sein. Da die Tortürme nicht besonders hoch sind und die Stadt keine herausragenden Bauwerke aufweist, wie Kuppelbauten oder hohe Türme, macht alles einen einheitlichen, kompakten Eindruck. Einwohner vermag man jedoch nicht zu erkennen; die Stadt erscheint unbelebt, weder Engel noch Heilige sind zu sehen, denn diese befinden sich noch rechts vor der Stadt in großer Zahl und in langen Reihen, bereit, nach der gerade erfolgten Auferstehung in die Stadt einzuziehen.

Valentina I. Antonova: Drevnerusskoe iskusstvo v sobranii Pavla Korina, Moskva 1966.
Natal’ja I. Komaško: Kostromskaja ikona XIII – XIX vekov, Moskva 2004.
Claus Bernet: Ikonen des Weltgerichts, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 37).

 

tags: Kreml, Moskau, Russland, Barock, Tempera, Gold, Weltgericht
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