Emil Wachter (1921-2012): Pfarrkirche in Rickenbach (1983)

Der Künstler Emil Wachter (1921-2012) aus Karlsruhe gestaltete im Jahr 1983 die Pfarrkirche in Rickenbach. Eines der Südfenster zeigt am oberen Ende das Himmlische Jerusalem. Die Darstellungsweise erinnert an mittelalterliche Miniaturen. Es handelt sich um mundgeblasenes, bereits zugeschnittenes Glas, das von der Werkstätte Isele in Freiburg erneut gebrannt und in Blei gefasst wurde. Wachter zeigt eine gewaltige Pforte, die auf einem auslaufenden dreieckigen Fundament thront. Das Fundament ruht ganz unten auf drei Bögen. Links und rechts hat Wachter die Mauer der Stadt mit Edelsteinapplikationen angefügt. Über der horizontalen Sprosse breitet sich die Stadt weiter aus, es ist eine Fülle an Ornamenten, Farbe, Schmuck und Symbol. Links und rechts findet man mehrfach goldfarbenen Kuppeln. Emil Wachter war ein Apologet der Schönheit und Kritiker der Umweltzerstörung, alle seine Arbeiten setzten eine intensive Auseinandersetzung mit dem religiösen Thema auseinander. Zu der Ausgestaltung in Rickenbach fügt er an: „In unserer Welt aus Bürokisten und einer kalten Gebrauchsarchitektur ist der Sinn für Schönheit völlig verloren gegangen. Schauen Sie sich doch in den Einkaufspassagen und Fußgängerzonen unserer Zeit einmal um. Da wird das Geld angebetet, die Masse regiert. Dagegen steht die Welt Gottes mit Erlösung, Ankommen, Heil und Harmonie. Die Fülle dieser Schöpfung, in der es überall etwas zu entdecken gilt und wo jeder seinen Platz finden kann, soll in diesem Fenster zum Ausdruck kommen. Hier regiert die Liebe, jeder findet einen Platz. Dennoch ist die eigentliche Pforte noch geschlossen. Die Schönheit hinter dieser Pforte ist dann eine Potentialität dessen, was ich mit bescheidenen Mitteln zeigen kann“.

Heilsgeschichte in Bildern, Rickenbach 1998.
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 3, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 26). 

 

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