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Max Ingrand (1908-1969): Kolumbarium in Marl-Hüls (1959)

Ein Kolumbarium ist ein Bauwerk auf einem Friedhof, in dem Särge oder auch Urnen aufgebahrt sind, bis zur eigentlichen Trauerfeier oder auch dauerhaft. Man kennt diese Bauten überwiegend aus Bayern und Österreich, wo sie ein fester Bestandteil der Sepukralkultur sind und eine lange Historie haben. Zunehmend findet man sie aber in ganz Deutschland. Um die Jahrtausendwende wurde die römisch-katholische Kirche St. Konrad zu einem solchen Kolumbarium umgebaut. Bis 2006 waren die Bauarbeiten fertiggestellt, und schon 2012 erfolgte eine Erweiterung. Nicht alle Kunstwerke der ehemaligen Kirche konnten erhalten werden, glücklicherweise jedoch die Buntglasfenster aus der Erbauungszeit 1959.

Ein 80 bis 100 Zentimeter breites Fensterband über dem Altar zeigt über einem Lichttunnel, der an das Gemälde „Der Aufstieg in das himmlische Paradies“ von Hieronymus Bosch erinnert, schwer erkennbar, einige goldene Bauten der himmlischen Stadt. Lediglich zwei Bauten lassen sich konkret festmachen, die übrigen sind lediglich angedeutet und aus der Ferne kaum auszumachen. In diesem Bereich des Scheitelpunkts sind fast nur gelbe Farbtönungen zu finden, an den Seiten dann grüne und schließlich blaue Glasscheiben. Über das gesamte Bild sind Halbmonde verstreut; links schweben sie wie Schalen, rechts docken sie an eine Oval an und sehen aus wie Wimpern. Es ist gibt dazu verschiedene, letztlich nicht befriedigende Erklärungsversuche. Das Fensterband aus getöntem Antikglas, Blei und Schwarzlot stammt von dem französischen Glasmaler Max Ingrand (1908-1969), der ansonsten in Deutschland nur noch in Münster und Gütersloh Glasfenster für Kirchen gestaltet hat. Zum Zeitpunkt des Einbaus war Ingrand künstlerischer Direktor der Fontana Arte, einer von dem Architekten Gio Ponti in Mailand gegründeten Werkstatt, an der damals fünfzehn weitere Glaskünstler beschäftigt waren. Ingrand war dort nicht allein für Kirchenfenster verantwortlich, sondern auch für Leuchten, Mobiliar und Accessoires aus Glas. Von ihm stammt damals der Entwurf für St. Konrad, die Ausführung leisteten andere Kräfte.

Pierre-Emmanuel Martin-Vivier: Max Ingrand, Paris 2009.
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 2, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 16).

 

tags: Kolumbarium, Friedhof, Fensterband, Ruhrgebiet, Lichttunnel, Schale
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