Rudolf Yelin der Jüngere (1902-1991): Johanneskirche in Feudenheim (1956)

Von Rudolf Yelin dem Jüngeren (1902-1991) ist das 1956 entstandene Chorfenster in der evangelischen Johanneskirche von Feudenheim bei Mannheim. Es waren Reparaturen der bereits 1943 schwer zerstörten Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Das neue Fenster hatte den Titel „Auferstehung“ (neuerdings „Christusfenster“) und zeigt ganz oben, in einer Rosette, das stehende Lamm Gottes mit der Siegesfahne, auf der das Kreuz eingezeichnet ist In dem umliegenden Fünfpass sind die zwölf goldenen Tore der Stadt eingepasst. Allerdings stimmt die Zahl der rundbogigen Zugangspforten nicht mit der Zahl der Torbauten überein. So findet man oben drei, links zwei, rechts drei und unten vier Pforten. Die Zahl der Torbauten beträgt jedoch oben drei, links und rechts wieder jeweils drei, unten dann nochmals vier, also insgesamt dreizehn. Vermutlich bestand die Schwierigkeit darin, die gerade Zahl der Tore in die ungerade Zahl des neogotischen Fünfpasses einzufügen. Diese Formwahl ist an mittelalterliche Fenster angelehnt, die Yelin in Vorbereitung zu dieser Ausführung intensiv studierte. Die zentrale Form dieser Arbeit ist der Kreis: zunächst ist das Lamm Gottes von einem weißen Doppelkreis umschlossen. Davon abgesetzt ist ein weiterer, kaum zu erkennender schwarzer Kreis eingezeichnet, der sich durch die meisten der Tore der Stadt zieht und eine Verbindung dieser herstellt. Auch sind die Außenseiten der Fünfpässe mit einem weißen Doppelkreis gerahmt, der aber nur partiell zum Vorschein kommt.

Leo Pfanz-Sponagel, Otto Metze: 100 Jahre Evangelische Johanneskirche Feudenheim, Mannheim-Feudenheim 1989.
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Norderstedt 2013 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 6).

 

tags: Rudolf Yelin, Baden, Chorfenster, Lamm, Nachkriegskunst
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