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Vincenz Pieper (1903-1983): St. Antonius in Bottrop (1951/52)

Ein kleines Fenster aus Antikglas, Blei und Schwarzlot hat den Namen „Das neue Jerusalem“. Es stammt möglicherweise noch aus der Erbauungszeit von 1951/52 der römisch-katholischen Kirche St. Antonius in Bottrop (Stadtteil Welheimer Mark). Bei dem Künstler handelt es sich um Vincenz Pieper (1903-1983) aus Münster, der hier in seinem vielfältigen Schaffen erstmals das Thema der Gottesstadt nach der Apokalypse aufgegriffen hat. Vermutlich ist es sogar das erste Glasfenster überhaupt, welches Pieper für eine Kirche ausführen konnte, da sein Entwurf für ein Nordfenster des Kölner Doms nicht ausgeführt wurde, obwohl er dafür den ersten Preis erhalten hatte, was schon damals lediglich eine unverbindliche Auszeichnung ohne konkrete Verpflichtung gewesen war. Später, als Pieper ein geschätzter Künstler geworden war, bereute man die Entscheidung.
Für die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Krieg war die Bottroper Arbeit ungewöhnlich neu und modern. Es handelt sich nicht um einen Wiederaufbau und der Künstler musste sich daher nicht mit einem älteren Bestand oder sentimentalen Wünschen auseinandersetzen. Unten führen fünf grauweiße Stufen zu zwei Türmen mit spitzen blauen Helmdächern. Zwischen diesen setzt ein schmaler Pfad an, der weiter nach oben führt. Dort wiederholt sich das Ensemble der Doppeltürme, die aber, der Perspektive geschuldet, etwas kleiner sind. Zwischen diese beiden Tore schiebt sich eine gotische Pforte als Zugang in die eigentliche Gottesstadt. Diese Pforte ist rot, während die übrige Architektur in Blau-, Braun- und Gelbtönen gehalten ist, und sie nimmt das Rot der rahmenden Scheiben wieder auf. Über den Toren zeigen noch blaue Glassteine das Firmament an, mit drei weißen Sternen.

Das Fenster gehört nicht zur eigentlichen Kirche, sondern zur separaten Sakristei, die gewöhnlich für Besucher geschlossen ist. Dass man damals auch solche Räume mit hochwertigen Arbeiten ausstattete, war eine Selbstverständlichkeit: für den Priester nur das Beste. Das Jerusalemfenster gehört dort zu einem intimen Ensemble von sechs Rundbogenfenstern, die Motive aus der Lauretanischen Litanei zum Thema haben.

Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 3, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 26).

 

tags: Ruhrgebiet, Nachkriegskunst, Vincenz Pieper, Pfad
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