1680 um, Weltgericht, Russland © Ikonenmuseum Recklinghausen, Ruhrgebiet

Russisches Weltgericht (um 1680)

Diese eher grob ausgeführte Temperamalerei der Maße 28 x 24 Zentimetern zählt zu den kleineren Weltgerichtsikonen aus Russland. Sie stand sicherlich nicht in einer Kirche, eher in einer Klosterzelle und diente der privaten Erbauung. Entstanden in der Gegend um Moskau befindet das Kunstwerk sich heute im Ikonenmuseum Recklinghausen (dort unter der Inventarnummer 265). Es ist eine zweiseitige Ikone: die Vorderseite ist dem Weltgericht vorbehalten, die Rückseite zeigt die Illustration einer christlichen Predigt in zwölf Szenen, die die Gläubigen zur Beichte und Kommunion auffordern.
Auf der Vorderseite ist das Himmlische Jerusalem, wie üblich, in der Ecke oben links zu finden. Es ist von einem dunklen Viertelkreis umzogen, der mit weißen Wolken ein Band andeuten soll. In einem schmalen, vom eigentlichen Bild abgetrennten roten Streifen fliegen die geretteten Mönche mit Flügeln von unten der heiligen Stadt entgegen, wo sie bereits von Engeln erwartet werden. Die Stadt ist ganz oben mit Mauerpartien, spitzen Dächern und einigen wenigen Türmen angedeutet – alles in dunkelroten Farbtönen aufgemalt. Darunter sitzen sechs Heilige an langen Tischen, wo sie das ewige Abendmahl genießen dürfen. Links sitzt eine etwas größere Person auf einem Thron an einen Einzeltisch, vermutlich handelt es sich um Maria. Die Tische werden nach unten zu Arkaden, aus denen weitere Heilige zu den Ankommenden nach unten schauen.

Ikonen, Sammlung Amberg, Recklinghausen 1962.
Gerhart Eggert: Kunst der Ostkirche. Ikonen, Handschriften, Kultgeräte, Wien 1977.
Eva Haustein-Bartsch, Ivan Bertchev: Ikonen-Museum Recklinghausen, Moskau 2008.
Claus Bernet: Ikonen des Weltgerichts, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 37).

 

tags: Weltgericht, Russland, Ikonenmuseum Recklinghausen, Tempera
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