Emil Wachter (1921-2012): St. Marien in Neuss (1992)

Der bekannte Glasmaler Emil Wachter (1921-2012) aus Karlsruhe schrieb 2002 zu seinen Jerusalems-Entwürfen: „Das Thema hat mich viele Jahre begleitet, es wurde von Gemeinden immer wieder an mich herangetragen. Anfang der 1990er Jahre arbeitete ich an einer Malerei für St. Philippus in München. Die Konzeption hat mir so gut gefallen, dass ich diesen Entwurf auch in Glas umsetzen wollte, und in Neuss fand ich eine Gemeinde, die sich für dieses Projekt begeistern konnte. Allerdings wurden die vier Wesen, die die Evangelisten symbolisieren, gestrichen, sondern man wollte deutlicher die Häuser und Tore dargestellt wissen. So findet man jetzt in den Ecken jeweils eine Dreiergruppe, wo ich die Edelsteine und Perlen an der Fassade einsetzte. Nach hinten gehen die Tore in Bauten der Stadt über, womit ich eine Tiefenwirkung erzielen wollte. Das ist bei einem Fenster durch den Lichteinfall leichter zu erzeugen als bei einer Tempera- oder Ölmalerei, deren Flächigkeit schon von der opaken Oberfläche her gegeben ist.“ Wachters großflächiges Fenster der römisch-katholischen Kirche St. Marien in Neuss zeigt im oberen Bereich das Neue Jerusalem. Es wurde 1992 im südlichen Querhaus der Kirche fertig gestellt. In einem ovalen Medaillon, welches in ein Quadrat eingeschoben ist, steht das Lamm mit zehn Hörnern als Gegenbild des Drachens in der Sockelzone des Fensters (hier nicht zu sehen). Um das Lamm sind in den Ecken Miniaturbauten Jerusalems gesetzt.

Nadya Badr, Felix Wachter, Emil Wachter: Der Fensterzyklus von St. Marien in Neuss, Köln 1994.
Holger Brülls: Nicht nur Nachhut des Expressionismus, in: Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts im Rheinland, Mönchengladbach 2015, S. 188-195.
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 3, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 26).
Holger Brülls: Nicht nur Nachhut des Expressionismus: Emil Wachters Fensterzyklus in St. Marien zu Neuss und seine Bedeutung für die figürliche Glasmalerei der Moderne, in:
Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts im Rheinland, Bd. 1, Mönchengladbach 2015, S. 188-195.

 

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