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Karl-Martin Hartmann: Fensterwand der Stephanuskirche in Kelkheim (1988)

Die evangelische Stephanuskirche in Kelkheim (Taunus, Hessen) wurde gemeinsam von den Architekten Lothar Willius und Rolf Romero zwischen 1965 und 1968 erbaut. Die Kirche selbst war in ihren Maßen so geplant, dass sie vollkommene Proportionen widerspiegeln sollte: Ein Kubus mit gleicher Länge, Breite und Höhe. Realisiert wurde dann leider nur das Grundmaß 1:1. Die Höhe wurde reduziert, den menschlichen Verhältnissen und vor allem den finanziellen Möglichkeiten angepasst.

Die ursprüngliche Fensterverglasung nahm nach zwanzig Jahren eine gelbliche Verfärbung an, und man war mit dem farblos-nüchternen Neubau unzufrieden. So beauftragte man den Wiesbadener Fotografen und Glaskünstler Karl-Martin Hartmann (geb. 1948) im Jahr 1988 mit den Entwürfen für eine neue Verglasung. Als Hartmann den nahezu kubischen Raum der Stephanuskirche analysierte, beschloss er, für die neue Verglasung das Motiv der Tore aus der Offenbarung des Johannes zu wählen, womit die Gemeinde einverstanden war. Die Verglasung besteht jetzt aus zwölf goldgelben Stelentoren sowie vier roten Eckpfeilern, die höher sind und teilweise die goldgelbenen Stelen umgreifen. Die roten Quadrate, bei denen die Scheiben mit einer roten Folie hinterlegt sind, wurden farblich einheitlich gefasst. Die gelben Quadrate bestehen aus einem Glasmosaik in unterschiedlichen Farbtönen und können an die Edelsteine erinnern. Vor allem bei direkter Sonneneinstrahlung wird der sakrale Raum in ein goldgelbes Licht getaucht, da die Betonpfeiler zwischen den Fenstern neu in weiß gestrichen wurden und das Licht reflektieren.


Leider blieb die Gesamtkonzeption nicht vor Beschädigungen verschont. In einer der vier Ecken, die an den Zugangsweg grenzt, wurde eine der opaken roten Scheiben durch eine gewöhnliche Glasscheibe ersetzt. Es wird sich vermutlich um eine Beschädigung gehandelt haben. Es gibt jedoch auch noch eine andere Erzählung: die ursprüngliche Verglasung schottete den Bau hermetisch von außen ab, mitunter waren nicht einmal Wetterveränderung zu bemerken. Um überhaupt einen Ausblick nach draußen zu haben, um beispielsweise Verspätete zu registrieren, wurde genau an der Stelle, an der man den Zugangsweg beobachten kann, in Sitzhöhe eine der roten durch eine transparente Scheibe ausgetauscht.

Beate Matuschek: Die evangelische Stephanuskirche in Kelkheim, Sinnbild des ‚Himmlischen Jerusalem‘, in: Zwischen Main und Taunus, 5, 1997, S. 142-146.
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Norderstedt 2013 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 6).

 

tags: Moderne, Quadrat, Hessen
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