Herbert Daubenspeck (1912-1974) : Tabernakel aus St. Theresia in Münster (1962)

In der römisch-katholischen Kirche St. Theresia in Münster befindet sich ein Tabernakel von außergewöhnlich hoher künstlerischer und handwerklicher Qualität. Die Arbeit aus dem Jahr 1962 zeigt an der Schauseite links das Neue Jerusalem als quadratische Anlage mit drei zusammengezogenen Toren an jeder Seite. Man sieht die Tore schräg angehoben von oben. Ungewöhnlich sind die vier halbrunden Formen an den Ecken, die die Stadtmauern sogar durchbrechen – sind es Trompeten, Engelsfiguren, der Lebensstrom oder noch etwas ganz anderes? In der Mitte ist das stehende Lamm Gottes zu sehen, es blickt zu dem göttlichen Auge rechts, in welches ein Bergkristall gesetzt ist. Weitere Bergkristalle schweben um die Stadt. Der Einruck eines Kosmos wird durch die Bögen, die sich um die Stadt ziehen, noch gestärkt, was an die mittelalterlichen Sphären des Weltraums erinnert. Links unten strömt das Blut des Lammes aus der Stadt; hier wurden kleine rote Halbedelsteine eingesetzt. Abgegrenzt wird das Kunstwerk nach unten durch einen Fries von Engeln und einem Flammenband, wie man es von russischen Ikonen her kennt.
Der Tabernakel stammt von Herbert Daubenspeck (1912-1974) aus Emsdetten, der ansonsten für volkstümliche Figuren im Öffentlichen Raum bekannter ist. Viele seiner Arbeiten sind in enger Werksgemeinschaft mit seiner Frau Anne Daubenspeck-Focke (geb. 1922) entstanden.

Rita Hüttenbrink (Bearb.): Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der Pfarrkirche: St. Theresia Münster 1956-2006, Münster St. Theresia.
Claus Bernet: Große Künstler, großartige Kunst, Norderstedt 2020 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 48).

 

tags: Tabernakel, Auge Gottes, Münsterland, NRW
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