Dieter Läpple (1938-2019): Jerusalemsleuchter der Nikolaikirche in Heilbronn (1983)

Der Radleuchter im gotischen Chorbogen des Altarbereichs der evangelischen Nikolaikirche in Heilbronn ist ein 1983 geschaffenes Werk des Heilbronner Bildhauers und Kunsterziehers Dieter Läpple (1938-2019). Von 1958 bis 1963 hat Läpple ein Studium der Bildhauerei an der staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Prof. Rudolf Daudert (1903-1988) absolviert und machte parallel dazu eine Steinmetzlehre. Von 1963 bis 1965 war er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Modellieren und Aktzeichnen an der TH Braunschweig, dann bis 1970 Freischaffender in Hannover und seit 1971 in Heilbronn. Sakrale Arbeiten wie der Jerusalem-Leuchter sind in seinem Schaffen die Ausnahme.
In Heilbronn war die Aufgabe, einen Leuchter zu entwerfen, der sich in die im gotischen Stil erbaute Kirche des 14. Jahrhunderts einpasst. Die Stadtmauer des Leuchters ist hier ein kreisrundes Band aus Bronze. Zu erkennen ist auf dem Reif eine Stadtmauer, auf der Arkaden oder Fensterbögen eingraviert sind. Sie sind aber nicht, wie sonst üblich, einheitlich gehalten, sondern Form, Größe und Stil der Arkaden wechseln sich ab. Dazwischen finden sich zwölf Türme mit Toren, jedes individuell anders gestaltet. In diesen Toren können bei Bedarf auch echte Kerzen zum Einsatz kommen, was aber aus Brandschutzgründen nicht mehr geschieht.
Dieter Läpple hat bei seine Kunstwerk auch Erinnerungen an Florenz verarbeitet; die Renaissancefassaden sind für ihn Zeichen urbaner Kultur und Lebendigkeit. Auffallend sind in den Toren die großen Öffnungen in Form von Schlüssellöchern: Jeder Mensch braucht einen Schlüssel, um zum Zentrum des Lebens zu kommen. Die Schlüsselöffnungen sind sehr unterschiedlich. Jeder Mensch hat seinen eigenen Schlüssel, mit einer ganz individuellen Form. 

 

tags: Leuchter, Jerusalemsleuchter, Radleuchter, Neoromanik, Neogotik, Württemberg, Bronze
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