George Edmund Street (1824-1881): St Thomas the Martyr in Oxford (1869)

Das Fenster, auf dem eine weibliche Figur das Neue Jerusalem in ihren Händen hält, verursachte 1869 bei seinem Einbau einen Skandal. Man empfand die figürliche Darstellung als zu katholisch für die anglikanische Kirche Thomas the Martyr in Oxford. Die ungewöhnliche Arbeit wurde von George Edmund Street (1824-1881), dem Architekten der Diözese, zur Ausführung vorgeschlagen. Heute kann man die Ablehnung dieser Arbeit kaum mehr nachvollziehen, sondern darf sich an der Schönheit dieser Arbeit erfreuen, als Katholik, als Protestant oder als Atheist. Die himmlische Stadt ist hier auf den Regenbogen gesetzt, der auch an das Edelsteinfundament erinnert. Auf ihm schieben sich etwa acht Türme von links nach rechts. Jeder hat eine individuelle Form und Größe, doch sie alle sind in die gleiche goldgelbe Farbe getaucht. Bei ihrer mittelalterliche Gestaltung kann man sogar die Quaderung der Steine erkennen, teilweise sind sie mit roten oder grünen Farbpunkten verziert. Von dem Todo gehen sieben Strahlen nach unten, die gleichsam an einen Rock, den die Frau tragen könnte, erinnern. Die weibliche Person, die das Stadtbild präsentiert, hat einen Heiligenschein, trägt einen auffälligen Haarkranz und teuren Schmuck – es muss aber nicht notgedrungen Maria sein, man kann in ihr auch eine andere Heilige oder die Personifikation der Stadt Jerusalem sehen – diese Freiheit ist jedem Betrachter und jeder Betrachter unbenommen.

John R. Whitehead: The church of St Thomas the Martyr, Oxford. A short history and guide, (Oxford) 2003.
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Norderstedt 2013 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 6).

 

Beitragsbild: Lawrence OP

tags: Oxford, England, Regenbogen, Viktorianismus
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