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Himmelspforte aus der Zionskirche, North Kokomo (um 1870)

Vor uns haben wir die vielleicht älteste erhaltene Darstellung des Himmlischen Jerusalem als Glasmalerei auf amerikanischem Boden, die sich bis heute am originalen Standort erhalten hat: Es handelt sich um eine einfache Torszene auf einem Buntglasfenster aus der Zeit um 1870 und zeigt eine offene Himmelspforte. Es sind zwei Gatter, sie leicht nach innen geöffnet sind – der Hintergrund ist einheitlich gelb und soll den Goldton der heiligen Stadt imitieren. Den Umriss der Pforte kann man an der schwarzen Farbe ablesen, die ansonsten das Innere des Rundfensters komplett ausfüllt. Die Rundung besteht aus einem gelben inneren Ring und an einem stärkeren äußeren Ring in einer hellen Türkisfarbe. An den vier Seiten wurden gelbe Tropfen aufgesetzt, von denen der untere ausbuchtet und nach unten zu laufen scheint.
Das Motiv der einfachen Pforte bzw. des Gatters kennt man ansonsten eher bei Illustrationen des Romans „Pilgrim’s Progress“ von John Bunyan oder aus römisch-katholischen Kirchenfenstern im Rahmen der Lauretanischen Litanei. Dieses Detail gehört zur Erstausstattung der Zion Evangelical Lutheran Church in North Kokomo, südöstlich der Stadt Chicago im US-Bundesstaat Indiana. Der Künstler der Fenster ist namentlich nicht bekannt; die Arbeiten sollen aber in einer der wenigen damals vorhandenen Glasmanufakturen im Midwest hergestellt worden sein. Sie gehören zu einer Serie von Fenstern, die nicht etwa Symbole Mariens präsentieren, sondern biblische Symbole wie eine Taube, die Hand Gottes, einen Abendmahlskelch und anderes.

Claus Bernet: Spezialband: Himmelspforten vom Mittelalter bis heute (Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 4), Norderstedt 2018 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 46).

 

tags: USA, Himmelspforte, Zion, Indiana
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