Die römisch-katholische Kirche Sainte Madeleine in Troyes im Département Aube (Champagne-Ardenne, Frankreich) besitzt ein Bleiglasfenster mit dem Thema des Jüngsten Gerichts bzw. des Weltgerichts aus der Zeit um 1500. Bereits sehr früh, im Jahre 1840, wurde das Fenster mitsamt der Kirche zum nationalen Kulturdenkmal Frankreichs erklärt, vielleicht nur deswegen hat es sich bis heute erhalten und zählt heute zu den ältesten Glasmalereien Frankreichs. Es zeigt in der Apsis rechts vom Eingang, unmittelbar vor dem Chorumgang ein komplexes Weltgericht. Dieser Bereich wurde von 1498 bis 1501 eingerichtet.

Die Anlage ist noch ganz von der Gotik geprägt. Oben ist Christus in einer größeren Fischblase als mittelalterlicher Richter auf einem Regenbogen dargestellt, links Maria, rechts Johannes, beide in kleineren Fischblasen.

Darunter befindet sich das Neue Jerusalem, dessen Architektur sich über alle vier untere Fensterbahnen hinwegzieht. Bei diesem Beispiel handelt es sich nicht um Baldachine oder Schmuckportale zu den darunter befindlichen Personen (St. Johannes, St. Antonius und Maria, die Mutter des Jakobus), sondern um eine Darstellung des Neuen Jerusalem, mit Mauern, zahlreichen Türmen und Fenstern.

Dazwischen wurden immer wieder Engel eingefügt, welche die Eingänge bewachen. Pro Fensterbahn ist oben jeweils ein Turm oder ein Tor ausfindig zu machen. Die Scheiben sind in diesem Bereich gelblich-weiß, so dass sich die Einzelheiten kaum erkennen lassen, aus der Ferne gar nicht. Im manchen Bereichen wurden einzelne Scheiben auch ausgetauscht, zum Teil fehlerhaft. Das kann man an denjenigen Scheiben erkennen, die einen Teil eines lateinischen Wortes tragen und in eine Richtung eingesetzt sind, die keinen Sinn ergibt, außer dem, dass man das Fenster schnell wieder geschlossen haben wollte. So finden sich Fragmente, die darauf hin deuten, dass das Fenster ursprünglich größer gewesen sein muss: zwei Scheiben mit dem Wortfetzen „ion“, ein menschlicher Kopf, ein von Händen gehaltenes Buch, Spuren unterschiedlicher Gewänder, dazwischen immer wieder Scheiben mit Rankenwerk oder monochrome Farbscheiben, vorzugsweise Rot, Grün, aber auch einmal Blau. Man findet diese Reparaturen überall, vorzugsweise aber auf der vierten Fensterbahn, die wie eine Collage oder ein abstraktes modernes Kunstwerk erscheint.

Das würde auch erklären, weshalb bei den drei Heiligen der ersten bis dritten Fensterbahn (derjenige oder diejenige der vierten Bahn ging gänzlich verloren) nur die obere Hälfte zu sehen ist und die gesamte Komposition unausgewogen wirkt. Fazit: Ursprünglich ging das Buntglasfenster tiefer nach unten bis zu dem Bereich, der später mit milchigen einfachen Glasscheiben ersetzt wurde.
Henri Favret: Église Sainte Madeleine. Troyes, Colmar-Ingersheim 1968.
Danielle Minois: Les vitraux de Troyes. XIIe-XVIIe siècle, Langres (2012).
Mathieu Lours: Regard sur le jubé de l’église Sainte-Madeleine de Troyes, in: Art Sacré, 30, 2013, S. 218-221.
Claus Bernet: Denkmalschutz, Denkmalpflege und UNESCO-Weltkulturerbe, Norderstedt 2020 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 47).

Beitragsbild: KriegerDenis, Troyes Vitrail Eglise de la Madeleine Baie 12 Le Jugement Dernier, CC BY-SA 3.0


