Christel Holl: Batik der Laurentiuskirche in Niederbühl (1985)

Die 1970er Jahre waren die Zeit des brutalen, schonungslosen Sichtbetons. Schon nach wenigen Jahren begannen Gemeinden, deren Kirchen kahle Betonwände zeigten, nach Lösungen zu suchen, die Innenräume etwas wärmer und humaner zu gestalten. Die katholische Laurentiuskirche in Niederbühl bei Rastatt aus dem Jahre 1968 stand ebenfalls vor diesem Problem und suchte nach einem geeigneten Künstler oder Künstlerin zur Innengestaltung.
Christel Holl ist künstlerische Autodidaktin, lernte aber als Schülerin von Noel Dyrenforth (London), einem Experten der Batikkunst. Seit 1982 hat sie ihr eigenes Atelier und ist auf Wandgestaltung in Kirchen spezialisiert. Sie lebt und arbeitet in Rastatt, also in unmittelbarer Nähe der Laurentiuskirche. Von ihrer Gemeinde wurde sie beauftragt, einen Wandschmuck für die Rückseite des Altars zu entwerfen. Holl schuf daraufhin 1985 für die Betonwände Batikbilder in violetter und orangener Farbe. Sie zeigen u. a. die Vision eines Himmlischen Jerusalems und das Gleichnis vom Sämann. Rot, die dominierende Farbe der Kirche, findet sich nicht nur in Holls Batikarbeiten, sondern auch in den Glasbausteinen, in den Emaille-Eingangstüren, aber auch in der Tabernakeltüre.
Holl hat ihr horizontales Kunstwerk in der Mitte geteilt: Unten, in der Menschenwelt, stehen und knien Gläubige vor einem Kreuz. Hier ist Violett die vorherrschende Farbe. Darüber steht die Engelswelt: zwölf Engel in weißen Gewändern stehen vor der Stadt Jerusalem. Diese ist als Strichzeichnungen in Umrissen im Hintergrund zu sehen. Hier herrscht die Farbe Orange vor. Beide Ebenen werden durch einen Keil verbunden: Das Kreuz und ein Kreissymbol schlägt aus der Himmelswelt auf die Erde ein, bringt Licht und Hoffnung.

Heimatbuch Niederbühl und Förch: 1057-1988, hrsg. im Auftrag der Stadt Rastatt durch die Ortsverwaltung Niederbühl, Rastatt 1988.
Esther Kaufmann, Christel Holl: Dein Reich komme, Landshut 2010.

tags: Schwaben, Brutalismus, Beton,
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