Paul Brandenburg: Kirchenportal von St. Sebastian, Lobberich (1976)

Paul Brandenburg (geb. 1930) ist der Erschaffer des Portals der römisch-katholischen Kirche in Lobberich (Kreis Viersen). Es wurde 1976 angefertigt. Dem Künstler kam es darauf an, in aussagekräftigen und zugleich einfachen Bildern sowohl denjenigen anzusprechen, der in die St. Sebastiankirche eintreten will, als auch den Passanten, der im Überqueren des Kirchplatzes das Portal nur flüchtig zur Kenntnis nimmt.
Unter Verwendung des alten Stahlrahmens der Nachkriegszeit wurde das neue Portal in vier Felder geteilt, von denen die beiden oberen im Normalfall geschlossen bleiben. Die in Bronze gefertigte Außenseite zeigt sechs Reliefs, während auf der kupferbeschlagenen Innenseite zwei Bronzereliefs angebracht sind. Das Portal ist darüber hinaus auch Bindeglied zwischen „Welt“ und „Kirche“, zwischen „Zeit“ und „Ewigkeit“. Brandenburg hat, im Rückgriff auf die biblisch begründete Tradition des Mittelalters den linken Portalflügel als das „Tor der Sünde“ bezeichnet, während der rechte Flügel das „Tor der Erlösung“ ist. Im Normalfall ist der linke Türflügel festgestellt, während sich der rechte öffnen lässt.
Die Reliefs, die von links oben ab gegen den Uhrzeigersinn nach rechts oben zu lesen sind, wurden mit Bibelzitaten ergänzt. Der Seher Johannes hat auf der Insel Patmos die Vision vom Himmlischen Jerusalem. Diese neue Herrlichkeit beschreibt der Künstler wie eine Sonne mit Flammen, in dessen Mitte das Lamm erscheint. Dementsprechend lautet auch der kurze Begleittext aus der Geheimen Offenbarung des Johannes: „Siehe, ich mache alles neu“ (Apok. 21, 5). Der Mord Kains an Abel in gleicher Höhe auf dem Torflügel der Schuld daneben zeigt das Bild der irdischen Sphäre; das Himmlische Jerusalem auf dem Tor der Erlösung ist der Gegenentwurf dazu.

Lobberich, St. Sebastian, in: Handbuch des Bistums Aachen, Aachen 1994, S. 858-861. 
Paul Brandenburg, in: Joachim Puttkammer: Bildende Künstler in Graal-Müritz, Bentwisch 2003, S. 39-41.

tags: Portal, Relief, Lamm, Niederrhein, Bronze
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