Friedrich Koller: Pyramidalleuchter der Basilika St. Bonifaz in München (1993)

Zwischen 1993 und 1996 erfolgt eine umfassende Umgestaltung der römisch-katholischen Münchner Basilika St. Bonifaz. Die einst prächtige Klosterkirche hatte 1944/45 fast ihren gesamten Innendekoration verloren und war nach dem Krieg nüchtern wiederaufgebaut worden. Zu dem Konzept der Neugestaltung gehörte auch ein Jerusalemsleuchter, womit man den Bildhauer Friedrich Koller (geb. 1939) aus Laufen und den Maler Münchner Peter Burkart (1940-2020) beauftragte. Beide erarbeiteten eine zusammengehörende Konzeption. Die farbigen Edelsteine wurden durch Burkarts Gemälde über dem Orgelprospekt aufgenommen. Die Zentralität des Raumes wurde durch einen zeltartigen Lichtkörper von Koller über dem Altar nochmals stärker betont. Es ist eines der wenigen Kunstwerke, die das Himmlische Jerusalem als Pyramide zeigt, die ja wie der Kubus gleich lange Längsseiten und Breitseiten hat. Die zwölf Kugeln aus Bronze, in denen sich die Beleuchtungskörper befinden, können als Tore oder aber auch als Perlen der Stadt gesehen werden. Sie sind so aneinandergereiht, dass sich in den Ecken vier der Kugeln befinden und je zwei an einer Seite. So sieht man von jeder Seite vier Kugeln. Es sind aber nicht, wie man denken könnte, insgesamt sechzehn, sondern nur zwölf, da die Kugeln in den Ecken ja für zwei Seiten zählen. Der Leuchter wurde von der Gemeinde gut aufgenommen und gibt der Basilika etwas von ihrer einstigen Innendekoration zurück, ohne historistisch zu wirken.

Peter B. Steiner (Bearb.): Peter Burkart – Farb-Räume: 4. – 29. Januar 1994; Kunstpavillon Alter Botanischer Garten, München 1994.
Lothar Altmann: Abtei- und Stadtpfarrkirche Basilika St. Bonifaz zu München, Regensburg 1997 (4).
Stefan Kopp, Joachim Werz (Hrsg.): Zeichen und Symbol überirdischer Wirklichkeiten: liturgische Orte und ihre künstlerische Gestaltung. Eine Festschrift für den Künstler Friedrich Koller, Regensburg 2019.

 

tags: Leuchter, Neugestaltung, Basilika, München
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