
Friedrich Koller (geb. 1939): Beleuchtungskonzepte für die Kirche „Christus, unser Friede“ in Ludwigsfeld (1990) und für die Basilika St. Bonifaz in München (1993)
Die römisch-katholische Kirche „Christus, unser Friede“ in Ludwigsfeld südlich von Neu-Ulm (Schwaben) wurde im Jahr 1990 mit einem neuen Beleuchtungskonzept ausgestattet welches der Künstler Friedrich Koller (geb. 1939) aus Laufen entwickelte. Ausdrücklicher Bezugspunkt war, laut Auskunft der Gemeinde, das Himmlische Jerusalem. Dabei wurden zwölf Lichter in helle Edelstahlkugeln gesetzt. Sie befinden sich unter einem Zeltdach, dem direkt über dem Lichtermeer ein Quadrat mit Echtgold aufgebracht wurde. Es hat eine Gesamtgröße von 12 x 12 Metern, die Verbindungsstangen sind aus Messing. Da jeweils zwei Kugeln an einer Seite weiter hervorragen, ergibt sich mit den Verbindungsstangen die Form eines Kreuzes unter dem Quadrat, womit auf Christus in Jerusalem angespielt werden soll.
Bei einer ähnlichen, kurz darauf entstandenen Arbeit wird der Jerusalems-Bezug noch deutlicher: Zwischen 1993 und 1996 erfolgte eine umfassende Umgestaltung der römisch-katholischen Münchner Basilika St. Bonifaz. Die einst prächtige Klosterkirche hatte 1944/45 fast ihre gesamte Innendekoration verloren und war nach dem Krieg nüchtern wiederaufgebaut worden. Zu dem Konzept der Neugestaltung gehörte auch ein Jerusalemsleuchter, womit man neben Koller auch den Münchner Maler Peter Burkart (1940-2020) beauftragte. Beide erarbeiteten eine zusammengehörende Konzeption. Die farbigen Edelsteine wurden durch Burkarts Gemälde über dem Orgelprospekt aufgenommen. Die Zentralität des Raumes wurde durch einen zeltartigen Lichtkörper von Koller über dem Altar nochmals stärker betont. Es ist eines der wenigen Beleuchtungskunstwerke, die das Himmlische Jerusalem als Pyramide zeigt, die ja wie der Kubus gleich lange Längsseiten und Breitseiten hat.
Die zwölf Kugeln aus Edelstahl (identische Ausführung wie bei Ludwigsfeld), in denen sich die Beleuchtungskörper befinden, können als Tore oder aber auch als Perlen der Stadt gesehen werden. Sie sind in München so aneinander gereiht, dass sich in den Ecken vier der Kugeln befinden und je zwei an einer Seite. So sieht man von jeder Seite vier Kugeln. Es sind aber nicht, wie man denken könnte, insgesamt sechzehn, sondern, wie in der Apokalypse beschrieben, zwölf, da die Kugeln in den Ecken ja für zwei Seiten zählen. Der Leuchter wurde von der Gemeinde gut aufgenommen und gibt der Basilika etwas von ihrer einstigen Innendekoration zurück, ohne historistisch zu wirken.
Peter B. Steiner (Bearb.): Peter Burkart – Farb-Räume: 4. – 29. Januar 1994; Kunstpavillon Alter Botanischer Garten, München 1994.
Lothar Altmann: Abtei- und Stadtpfarrkirche Basilika St. Bonifaz zu München, Regensburg 1997 (4).
Stefan Kopp, Joachim Werz (Hrsg.): Zeichen und Symbol überirdischer Wirklichkeiten. Liturgische Orte und ihre künstlerische Gestaltung. Eine Festschrift für den Künstler Friedrich Koller, Regensburg 2019.