
Der genaue Herkunftsort dieses Reliefs und seine ursprüngliche Funktion (wahrscheinlich war es ein Teil einer Votivtafel) ist bislang nicht bekannt. Es soll um 1510 in einer St. Veiter Werkstätte angefertigt worden sein. Heute befindet es sich im Kapellenturm der Burg Petersberg der Stadt Friesach im Norden Kärntens als Leihgabe des dortigen Stadtmuseums. In diesem Kapellenturm feierten die Salzburger Bischöfe einst die Messe. Ihr ursprünglicher Altar hat sich nicht erhalten und wurde durch diesen Flügelaltar ersetzt, der aus verschiedenen Kompositen neu zusammen gefügt wurde (außer dem Relief durch zwei Altarflügel aus der Kirche St. Leonhard in Metnitz um 1435 und eine Predella von ca. 1520).
1941/1942 hat der Restaurator Markus Antonitsch das Mittelteil in Klagenfurt einer grundlegenden Sanierung unterzogen. Es besteht aus mehreren hölzernen Einzelteilen, die zu einem Weltgerichts-Ensemble auf blauer Grundfläche zusammengefügt wurden. Die Schnitzereien waren einst üppig koloriert, doch gerade vom Detail des Neuen Jerusalem unten links haben sich nur wenige Farbspuren erhalten. Die blockartige Himmelspforte ist oben mit vier Engeln besetzt, während die Architektur darunter im Flamboyantstil gestaltet ist. Sie tritt über den Bildrahmen hinaus in den Raum ein und ist zum Betrachter quer gestellt. Auf der anderen, rechten Seite strömen zahlreiche Menschen dem Eingang entgegen. Sind normalerweise fünf bis sieben Personen vor einer Himmelspforte versammelt (vgl. den Flügelaltar in Schloss Draskovich, Güssing, von 1469), sind es hier Hunderte, Tausende – im Hintergrund vermengen sich die Mengen der Geretteten mit den natürlichen Hügeln. Bei den Gesichtszügen der Personen konnte der Schnitzer sein Können zeigen; es sind individuelle Gesichtszüge, die verschiedene Stimmungen tragen, wie Erstaunen, Freude, Zufriedenheit etc.
Bei den Personen sind die drei vorderen, prominenten Plätze mit Geistlichen besetzt: An erster Stelle ein Papst, dann ein Kardinal und ein Bischof; Könige und Fürsten sind in die zweite Reihe verwiesen. Dieser Drang nach Geltung und eine derart überzogene Heilsgewissheit war einer der Kritikpunkte der Reformation, die bald auch Kärnten erfassen sollte.
Janez Höfler: Die Tafelmalerei der Gotik in Kärnten 1420-1500, Klagenfurt 1987.
Christoph Schweiger: Stadtmuseum Friesach. Das historische Gedächtnis der Stadt und ihrer Bewohner, Friesach, um 2000.