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Armenischer Wandteppich (1701)

Ein Wandteppich aus Armenien wird auf 1701 datiert und ist damit eins der ältesten Beispiele für die exzellente Webkunst der Armenier im 18. Jahrhundert. Der Teppich befindet sich in Etschmiadsin, eine Stadt in der armenischen Provinz Armawir, etwa zwanzig Kilometer westlich von Jerewan mit etwa 50.000 Einwohnern. Dort lagert das Kunstwerk im Palast des Katholikos, genau genommen in der Schatzkammer. Man geht davon aus, dass der Teppich auch in Armenien im Umkreis der Armenischen Apostolischen Kirche gewebt wurde. Die Armenische Apostolische Kirche ist eine altorientalische Kirche mit heute neun Millionen Armeniern in zwei Katholikaten (Etschmiadsin und Sis), zwei Patriarchaten (Jerusalem und Konstantinopel) und rund dreißig Diözesen, davon neun in Armenien. Das Himmlische Jerusalem wird in der Armenischen Kirche selten dargestellt, der Wandteppich ist dafür ein seltenes Beispiel.
Seit 1701 wurde er zweimal restauriert. Er zeigt uns insgesamt eine umfangreiche Darstellung des Jüngsten Gerichts mit dem Erzengel Michael als Seelenwäger. Stilistisch und kompositorisch ist er an zeitgenössische Werke der russisch-orthodoxen Kirche gehalten. Unten rechts ist die Hölle dargestellt, unten links das Neue Jerusalem in Form einer goldenen Himmelspforte, die pars pro toto das Himmlische Jerusalem vertritt. Diese schwebt auf einigen stilisierten Wolken, in weiß-grauen Voluten, die einen barocken Einfluss verraten. Sie ist mit zwei prächtigen Engeln und einem Heiligen in einfachen gelben Gewand besetzt, der ein Weihrauchfass schwenkt. Die Pforte, in der sich der Heilige befindet, ähnelt einem Baldachin, bekrönt mit einem lateinischen Kreuz.

Zdenko Hofrichter: Armenische Teppiche, Wien 1937.
Beṣal’ēl Narqîs (Hrsg.): Armenische Kunst: Die faszinierende Sammlung des Armenischen Patriarchats in Jerusalem, Stuttgart 1980.

 

tags: Armenien, Wandteppich, Weltgericht, Barock, Himmelspforte
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