2015 um, Güstrow, Schult Steinmetz und Bildhauerhandwerk 1 © Claus Bernet

Grabstein aus dem Steinmetzbetrieb Matthias Schult in Güstrow (um 2015)

Dieser Grabstein erscheint zunächst wie viele Arbeiten aus dem frühen 21. Jahrhundert. Der Block ist mit eine Meter etwa annähernd so breit wie hoch. An der Oberfläche wurde der Serpentinit lediglich grob behauen. Hier wäre noch genügend Platz für einen Namen und/oder einen Sinnspruch bzw. Bibelvers. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man, dass an beiden Seiten des Objekts kleine Pforten angebracht sind. Es ist eine der wenigen Arbeiten in Stein, die zwei Pforten auf einmal zeigen. Beiden Pforten wurden einige Stufen vorgesetzt, die sich nach unten verjüngen. Die Pforte der rechten Seite befindet sich unten und wurde durch den gesamten Stein getrieben, steht also offen. Ihr Bogen ist aus neun Quadersteinen zusammengefügt, am Rand setzt sich noch ein Stück der Mauerung fort. Eine zweite, ähnlich gestaltete Pforte befindet sich auf dem Stein rechts oben. Ihre Stufen winden sich fast schon an der Seite des Steins nach unten entlang. Diese Pforte zeigt die Außenseiten von zwei Türflügeln, sie ist geschlossen. Bei dem Stein handelt es sich um eine Arbeit von Steinmetz Matthias Schult aus Güstrow, südlich von Rostock.

 

Die Dopplung mit einer geschlossenen und einer offenen Pforte lässt Raum für Spekulation offen. So könnte der Beginn und das Ende eines Lebenswegs dargestellt sein. Im christlichen Kontext kennt man die beiden Pforten im Rahmen der Lauretanischen Litanei, wo sie Tugenden Mariens darstellen. Auch die Zweiwegebilder zeigen oft zwei Pforten, wo man am Beginn einer Pilgerschaft durch ein offenes Tor schreitet, um einen Weg zu einer noch geschlossenen Pforte des Himmlischen Jerusalem anzutreten. Am bekanntesten ist dies im Roman „Pilgrim’s Progress“ von John Bunyan aus dem 17. Jahrhundert vorzufinden.

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tags: Grabstein, Pforte, Serpentinit, Mecklenburg
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